Zentrum Serata
Tischenloostrasse 55
8800 Thalwil
Telefon 044 772 89 79
LH@hacklcoaching.ch

Artikel

Archiv (Artikel)

Angst

Stress und Angst abbauen

Auslöser von Stress, Stressoren genannt, bestehen sowohl aus äusseren Einflüssen wie Lärm, Reizüberflutung, Einschränkungen etc., aber weitaus der grösste Teil der Stressoren sind Ängste.

Für eine sofortige Reduktion ist die folgende Technik sehr hilfreich und sinnvoll:

Nehmen wir als Beispiel eine reale Gefahr. Sie haben sich auf einer Bergtour verlaufen und befinden sich in einer steilen, rutschigen Traverse. Es gibt kein Zurück, weil Sie nicht ohne grösste Gefahr zurücksteigen können, die Wahrscheinlichkeit zu stürzen ist zu hoch. Ausgleiten hätte fatale Folgen, nach 100 Metern unaufhaltsamen Rutschens käme eine hohe Felswand, die Sie unweigerlich hinunterstürzen würden. Todesgefahr! Der Puls steigt auf 160. Eine solche reale Gefahr löst berechtigte Angst aus. Es entsteht Stress, d.h. das vegetative Nervensystem reagiert automatisch mit der Ausschüttung von Stresshormonen wie Adrenalin, Cortisol, Noradrenalin, Dopamin und weitere.

Diese Reaktion ist richtig, sie warnt Sie unmissverständlich und bereitet den Körper auf Kampf oder Flucht vor. Stress, wenn er im Fall von sehr hoher Gefahr ein bestimmtes Mass überschreitet, bedeutet aber auch, dass Sie keine klaren Gedanken fassen können, um die richtige Taktik oder den richtigen Entscheid zu finden. Dies wäre jetzt besonders wichtig.

Lösung:
Halten Sie inne. Schaffen Sie sich einen sicheren Stand und warten Sie. Seien Sie sich klar, dass jetzt überstürztes Handeln gefährlich ist. Zuerst müssen Sie herunterfahren, d.h. den Adrenalinspiegel senken, den Puls normalisieren und ruhig werden. Dann erst können Sie überlegen.

Sobald Sie sicheren Stand haben, beginnen Sie, auf Ihre Atmung zu achten. Nehmen Sie einfach wahr, wie sich die Atmung verhält. Ihr emotionaler Zustand beeinflusst die Atmung enorm, sie ist sehr sensibel darauf. Die Emotionen ihrerseits reagieren aber auch auf die Atmung. Sie sind über die Atmung beeinflussbar. Dies ist der Schlüssel zur Lösung. Die Atmung geschieht entweder automatisch, gesteuert vom vegetativen Nervensystem, oder willentlich.

Sie werden feststellen, dass Ihre Atmung im Angstzustand flach ist und sich auf die mittleren und oberen Atemräume beschränkt, nur Brustkorb und Schlüsselbeine bewegen sich. Zeitweise wird die Atmung bei stark gefüllter Lunge ganz stoppen und Sie werden versuchen eher einzuatmen, statt die Lungen wieder zu leeren. Dies geschieht ganz automatisch. Sie atmen nun also willentlich folgendermassen:

Ganz bewusst ausatmen und dann gar nichts tun. Überhaupt nichts, bloss warten. Nach einer halben, oder zwei oder fünf Sekunden atmet “es” automatisch wieder ein. Lassen Sie diesen Reflex selbstverständlich zu, aber versuchen Sie dabei, den unteren Atemraum zu füllen, d.h. den Bauch mit dem Einatem herauszustossen und versuchen, den Brustkorb kaum zu bewegen. Als Nächstes lassen Sie den Atem sofort wieder los, aus der Lunge herausfallen sozusagen. Und nun warten Sie erneut auf den Einatemreflex.

Es gibt also drei Phasen, die Sie in dieser Reihenfolge ablaufen lassen:

  1. Bewusst ausatmen
  2. Atempause, einen Moment gar nichts tun
  3. Einatmen geschehen lassen, aber bewusst durch ausdehnen der Bauchwand in den unteren Atemraum lenken und den Atem sofort wieder entlassen, d.h. sofort zu 1. zurückkehren.

Sie werden erstaunt sein, wie schnell sich Adrenalin abbaut, die Herzfrequenz sich beruhigt und Ihre Angst verschwindet. Nun können Sie wieder klare Gedanken fassen. Dies sollten Sie zuerst vor einem Spiegel mehrmals üben, es ist gar nicht so einfach.

Diese Methode hilft für einen Moment auch sehr gut bei neurotischen, also irrealen Ängsten. Sie befreit allerdings nicht endgültig davon. Bei berechtigten Ängsten darf dies auch nicht sein, denn wenn Sie in eine Gefahrensituation geraten, haben Sie keinen besseren Freund als Ihre Angst. Sie warnt Sie und zwingt Sie zu handeln.

Natürlich, bei den irrealen Ängsten würde man sich das ja gerne wünschen.  Aufgrund von Phantasien reagiert das vegetative Nervensystems auch hier mit der Aktivierung des Sympathikus, des “Flight and Fight”, also der Bereitschaft zu flüchten oder zu kämpfen. Bei irrealen Ängsten natürlich unsinnig. Am Berg in der Wand hätte das aber im Falle berechtigter Angst fatale Folgen. Darum nehmen Sie solche Reaktionen bitte ernst und setzen diese Technik ein, um in Ruhe zu entscheiden, statt unter Druck einen Fehlentscheid zu treffen.

Bei überraschend auftretenden Situationen ist das jedoch anders. Da haben Sie kaum Zeit, noch lange Atemübungen durchzuführen. Dafür braucht es ein spezielles Training.

Agoraphobie – Klaustrophobie

Wenn jemand erklärt, unter Platzangst zu leiden, so stellt sich in den meisten Fällen heraus, dass diese Person Angst bekommt, sobald es eng wird, sie zu wenig Platz hat. Dies ist eigentlich das Gegenteil von Platzangst. Diese nennt man Agoraphobie, jene heißt korrekterweise Klaustrophobie, Angst vor Enge, Raumangst. Platzangst dagegen heisst Agoraphobie.

Sie ist die Angst vor Plätzen, öffentlichen Räumen, davor in der Weite verloren zu gehen, im Notfall keine Hilfe zu bekommen oder keine Fluchtmöglichkeit zu haben, in der Menschenmasse unterzugehen. Agoraphobie Betroffene meiden öffentliche Verkehrsmittel, lange Autofahrten, v.a. auf einsamen Straßen oder auf Autobahnen mit längeren Teilstrecken ohne Ausfahrt, aber auch Einkaufszentren und öffentliche Festanlässe. Im Extremfall verlässt eine Betroffene Person ihr Haus nur noch in Begleitung oder gar nicht mehr.

Die Agora war im antiken Griechenland zuerst der Marktplatz, später auch politischer Versammlungsplatz. Nicht jede Person begibt sich gerne auf einen solchen Platz. Ist man erst einmal von andern geortet, kann man den Platz kaum unbegründet wieder verlassen. Wird man von der Menge gar verschluckt, ist man erst recht verloren!

Die Klaustrophobie tritt bei den Betroffenen vor allem in engen Räumlichkeiten auf wie Aufzügen, eng bestuhlten Flugzeugen, aber auch in Bussen und Bahnen, Kinos und in Menschenansammlungen, oder nur schon wenn eine kleine Wahrscheinlichkeit für ein Gedränge besteht. Für weniger Empfindliche kann aber auch eine medizinische Untersuchung „in der Röhre“, also MRI/MRT, eine echte Herausforderung darstellen. Fast 15% aller Untersuchten zeigen dabei Angstreaktionen.

Zwischen den zwei Phobien gibt es auch Gemeinsamkeiten und Überschneidungen. Eine Verwechslung von Agoraphobie und Klaustrophobie ist daher kein Grund zur Kritik. Es ist genau abzuklären, wie die Umstände liegen, will man eine präzise Diagnose stellen. Treten gleichzeitig z.B. Panikattacken auf oder nicht, in welchen verschiedenen Umgebungen treten die Ängste auf, spielt Alleinsein oder Menschenmenge eine Rolle?

In welche Kategorie gehört nun z.B. die panische Angst davor, in eine Sesselbahn zu steigen? Man ist auf einen ganz kleinen Raum beschränkt und man sollte sich ruhig verhalten. Merkmale der Klaustrophobie. Man ist allein, keine Hilfe weit und breit, der Raum um einen herum scheint unendlich. Merkmale der Agoraphobie.

Im Grunde spielt es für die Behandlung keine Rolle. Klassisch wird bei beiden kognitive Verhaltenstherapie in Form einer Expositionstherapie angewendet. Bei Klaustrophobie vermehrt auch medikamentöse Behandlung. Die wissenschaftliche Nachweisbarkeit des Therapieerfolgs ist gleichzeitig Vor- und Nachteil.

Es ist nicht meine Aufgabe, daran Kritik zu üben. Es ist trotzdem bedauerlich, dass die spektakulären Erfolge eines Milton Erickson mit Agoraphobie und einiger seiner Schüler im Mental Research Institut in Palo Alto nicht in weitere wissenschaftliche Studien Eingang gefunden haben. Die Anwendung ihrer Methoden im Coaching führt zu erstaunlichen Resultaten in kürzester Zeit und diese sind auch anhaltend. Neueste Forschungen an der Universität Zürich scheinen nun langsam in diese Richtung zu weisen.

Wenn Sie am Ansatz der Palo Alto-Gruppe interessiert sind, finden Sie unter http://www.hacklcoaching.ch/themen/angste-phobien weitere Informationen.

Angst durch Trauma

Etwa jeder 20. Fall von irrealer (oder neurotischer) Angst lässt sich nicht in einer oder wenigen Sitzungen auflösen, da er auf einem tiefer liegenden Trauma gründet. Für einen solchen Fall habe ich von einer betroffenen Person das Einverständnis zur Veröffentlichung bekommen (Namen geändert).

Herr Sommer, ein etwa 50-jähriger Mann, beklagt sich über Angstzustände, ausgelöst durch Situationen, in denen er sich nicht entfernen kann.

Beispiele: Das Gedränge auf den Stehplätzen eines Fußballspieles, wo er panikartig das Stadion verlassen muss, aus Angst, sonst sofort zusammenzubrechen. Lange Zugfahrten mit Schnellzügen, wo längere Zeit keine Möglichkeit besteht, auszusteigen. Autofahrten auf Strecken mit notorischen Staus, wo er nicht wegfahren kann und das Auto nicht verlassen darf. Nur schon die Vorstellung solcher Situationen verursacht Blähungen, Kribbeln in den Füssen und Beinen, das sich bis zur Bewegungsunfähigkeit steigern kann. Dazu gesellt sich oft eine Art Flash im Kopf.

Seine bisherigen Lösungen: Fußballspiele meiden, Zugfahrten nur mit Regionalzügen, die an jeder Station anhalten, Autofahrten auf Umwegen oder zu Zeiten, wo keine Staus zu erwarten sind.

Die erste strategische Vorgehensweise bringt zwar rasche und starke Verbesserungen, das üblicherweise vollständige Ausbleiben der Angstsymptomatik lässt sich aber nur teilweise erreichen. Dies lässt eine schwere Traumatisierung vermuten. Zufällig erwähnt er an einer Sitzung Narben von Verletzungen durch einen Unfall. Was war geschehen?

Im Alter von 20 Jahren war er mit einer Gruppe von Kollegen am Wochenende im Ausgang, wo wie üblich vermehrt Alkohol genossen wurde. Man beschloss zu vorgerückter Stunde, noch in ein Nachbardorf zu fahren, um weiter zu feiern. Gesagt getan. Zu viert bestieg man das Auto des einen Kollegen, der stark alkoholisiert war und mit hoher Geschwindigkeit losfuhr. Herr Sommer saß hinten rechts. Nach mehreren halsbrecherischen Überholmanövern bat der hinten links, neben ihm sitzende junge Mann, aussteigen zu dürfen. Es wurde ihm irgendwo im Niemandsland zwischen den Dörfern gewährt. Der Fahrer musste dazu aussteigen, es war ein zweitüriges Auto.

Der Höllenritt ging weiter und wäre fast von einem vor ihnen fahrenden langsameren Verkehrsteilnehmer gebremst worden. Aber bedenkenlos setzte der Fahrer in einer leichten Rechtskurve vor einer Brücke in überhöhter Geschwindigkeit zum Überholen an. Das Auto wurde jedoch über die Kurve hinausgetragen, wobei es eine die Fahrbahn abschließende Begrenzung mit ohrbetäubendem, kreischendem Lärm aufrollte, und anschließend mit einem Knall in den Brückenpfeiler krachte und da zum Stehen kam. Völlige Stille.

Die Fahrbahnbegrenzung bestand aus einzelnen Eisenpfosten aus H-Profilen, in etwa drei Metern Abstand einbetoniert. Oben hatte jeder Pfosten eine viereckige Öffnung, in welche Vierkanthölzer, Durchmesser etwa 10×16 cm als Geländer gelegt waren.

Das Auto war genau von vorne auf ein solches Kantholz geprallt, das beim Aufprall auf den Brückenpfeiler wie eine Lanze durch den Motorraum in den Fahrgastraum gerammt wurde und da genau auf die Mitte der Brust des Fahrers. Sie durchstieß diesen mitsamt seiner Sitzlehne und erreichte den Rücksitz da, wo noch vor drei Minuten der ausgestiegene Kollege gesessen hatte.

Herr Sommer erinnert sich nur noch an die bedrückende Stille und die Gewissheit, dass etwas Furchtbares geschehen sein musste, dass er irgendwie ausstieg, um das Auto herumging, und Leute ihn davon abhielten, nach dem Fahrer zu schauen. Seine eigenen Verletzungen entdeckte er erst später.

Es ist bekannt, dass man in Situationen allerhöchster Gefahr sogar Dinge sieht und mitbekommt, die nicht im Blickfeld liegen. Auch muss Herr Sommer am aufgespießten Fahrer vorbei ausgestiegen sein, nachdem der vorne sitzende Kamerad den Ausstieg freigegeben hatte. Dabei dürfte ihm das Blutbad in einem halben Meter Entfernung kaum entgangen sein.

Was für Gefühle müssen Herrn Sommer bewegt haben, aus nächster Nähe mit zu erleben, wie sein Kamerad von so einem groben Kantholz durchdrungen und an die Rücklehne geheftet wurde?! Dabei hatte er selbst nicht die geringste Möglichkeit, etwas abzuwehren, oder zu flüchten, sondern schwebte selber in allerhöchster Gefahr. Ja er hatte zu allem Überfluss die Gelegenheit verpasst, früher auszusteigen!

Er war dazu verurteilt, chancenlos auf dem Rücksitz eingesperrt zu sein. Dies alles erzählt er heute ohne die geringsten Emotionen und ohne Erinnerung an irgendwelche Details. Wen wundert’s, dass er in Panik gerät, wenn er in eine Situation gerät, wo er nicht flüchten kann, und dass er heute lieber einmal zu früh aussteigt, als einmal zu spät?

Es ist einerseits die Gnade unserer Psyche, dass sie uns vor solchen Erinnerungen schützt, indem die Emotionen vom Ereignis abgespalten und ein großer Teil der Erinnerungen gelöscht werden. Es ist aber auch der Fluch der unbewusst gespeicherten Erinnerung, die den ganzen Horror dann wieder aktiviert, sobald man in eine ähnliche Situation des Eingeschlossen seins gerät.

Um die Ängste weitestgehend aufzulösen wäre die nachträgliche Verarbeitung des Ereignisses notwendig. Viele fürchten diese nochmalige Begegnung, was zu verstehen ist. Auch Herr Sommer selbst lässt es lieber bei einer 70-prozentigen Besserung bewenden. Ich kann es ihm nicht verübeln.

Glück 1

Wer sucht nicht sein Glück, wer möchte ihn nicht erreichen, diesen Zustand, in dem man sagen kann, ich bin glücklich? Irgendwie glauben wir, ganz genau zu wissen, was das letztlich sein soll, dieses höchste aller Ziele. Aber es genau zu beschreiben und den Weg dahin zu schildern, vermögen die wenigsten.

Natürlich wird das Gebiet immer wieder erforscht, Voraussetzungen genannt, Ursachen und Wirkmechanismen erklärt. Aber die Erklärungsmodelle sind oft meilenweit voneinander entfernt. Ich möchte deshalb versuchen, mich dem Thema von drei Seiten zu nähern:

1. Mihaly Csikszentmihalyi hat 1985 und dann v.a. 1990 unter dem Namen „Flow, Das Geheimnis des Glücks“ die Resultate einer großen Studie veröffentlicht. Er hat dabei ganz grundlegende Elemente für Glück wissenschaftlich belegt. Die Resultate haben wesentliche praktische Bedeutung.

2. Die neuere Hirnforschung ist den Mechanismen nachgegangen, welche ausschließlich im Hirn ablaufen und hat eine ganze Anzahl Zentren isoliert, welche an der Entstehung des Glücksgefühls beteiligt sind. Die Ergebnisse haben keine praktische Bedeutung was das Erreichen dieses Zustands betrifft. Die Bedeutung liegt mehr im pharmakologischen Bereich. Oder könnten Sie z.B. ihren Gyrus Cinguli mal kurz etwas aktivieren, damit etwas praktische Anwendung ins Geschehen kommt? Eben.

3. Gewisse Hirnforscher haben versucht, den Menschen etwas ganzheitlicher zu betrachten und sich nicht auf das Hirn allein zu beschränken. Einiges davon ist vielleicht noch etwas spekulativ und die entsprechenden Forscher wurden daher von der Wissenschaftsgemeinde auch zeitweise ausgegrenzt. Dies war aber schon immer der Fall, wenn etwas wirklich Neues entdeckt wurde. Die Entdecker der Plastizität des Hirns wären bis 1999 beinahe auf dem Scheiterhaufen gelandet – im übertragenen Sinne natürlich, heute gibt es dafür viel subtilere Methoden.

Natürlich gibt es auch Vorgänger, denn Glück hat seit Aristoteles, und sicher noch früher, immer das Interesse von Denkern geweckt. Ich möchte aber jetzt auf diese drei neueren Grundlagen in je einem Artikel etwas näher eintreten und beginne gerne mit Mihaly Csikszentmihalyi.

Csikszentmihalyi hat weltweit über 200’000 Versuchspersonen aus allen möglichen Berufen und Einkommensschichten untersucht was zu repräsentativen Resultaten geführt hat, was seinen Fokus betrifft. Zur Messung der Qualität subjektiver Erfahrung wurden zuerst Fragebögen, und mit der Zeit ein elektronisches Gerät eingesetzt, das zu zufälligen Zeiten summte, sobald vom Träger aufgezeichnet werden musste, was er gerade dachte und wie er sich fühlte. Die Studie begann mit Menschengruppen, welche bekanntermaßen aufgrund ihrer Tätigkeit oft Glücksgefühle erleben, wie z.B. Chirurgen und Bergsteiger. Die Versuchspersonen umfassten in der Hauptstudie dann ganz zufällige Individuen ohne Eingrenzung bei Berufen, Einkommensschichten und Nationalitäten.

Zusammengefasst könnten die Ergebnisse etwa folgendermaßen beschrieben werden:

Optimale Erfahrung (so nennt er das) ist dann möglich, wenn ein Gefühl da ist, dass die eigenen Fähigkeiten ausreichen, eine gegebene Herausforderung in einem zielgerichteten, regelgebundenen Handlungssystem zu bewältigen, das deutliche Rückmeldungen bietet, wie gut man dabei abschneidet. Die Konzentration ist dabei so intensiv, dass keine Aufmerksamkeit übrig bleibt, um an andere, unwichtige Dinge zu denken oder sich um Probleme zu sorgen. Das Selbstgefühl verschwindet, und das Zeitgefühl wird verzerrt. Eine Aktivität, die solche Erfahrungen herbeiführt, ist so lohnend, dass man gewillt ist, sie um ihrer selbst willen auszuführen, ohne an mögliche Vorteile zu denken, auch wenn sie schwierig oder gefährlich ist. (Zit. Nach Csikszentmihalyi, Flow, deutsche Ausgabe 2005).

Die Frage, wie man solches erreichen kann, wird natürlich diskutiert. Habe ich genügend Kontrolle über die instinktiven Triebe um zu optimaler Erfahrung zu kommen, und wie wird solches erreicht?

Bin ich überhaupt bereit, meine ganze Aufmerksamkeit für ein realistisches Ziel zu verwenden, das meinen Fähigkeiten und Handlungsmöglichkeiten entspricht und dabei die volle Aufmerksamkeit auf die Aufgabe zu richten, was verlangt, zeitweise alles andere zu vergessen? Die Motivation spielt dabei eine wichtige Rolle. Ist es eine Handlung, die mir grundsätzlich wichtig ist, oder interessiert sie mich nur deshalb, weil sie mir genau dieses Gefühl vermittelt?

Bei Burnout spielt dies z.B. eine wesentliche Rolle. Der äußere Zwang alle Aufmerksamkeit auf eine Aufgabe zu richten kann nicht zu anhaltendem Energiegewinn aus dem Tun führen, die Motivation muss tiefer im eigenen Sein begründet sein.

Es wird wesentlich, um die Ängste und Depressionen des heutigen Lebens zu überwinden, von der gesellschaftlichen Umwelt unabhängig zu werden und nicht mehr ausschließlich in deren Begriffen von Belohnung und Strafe zu reagieren. Dieser Schritt wird zur Befreiung aus Burnout angestrebt.

Es stehen zwei Hauptstrategien zur Verfügung: Man kann die äußeren Bedingungen den eigenen Zielen anpassen, oder man kann ändern, wie man äußere Bedingungen erlebt. Dazu gibt es eine indische Weisheit: Erfolg ist, zu erreichen was man wünscht. Glück ist, zu wünschen, was man erreicht.

Das Thema ist erst leicht geritzt, es ließe sich noch sehr viel mehr dazu sagen, Auf Wunsch mache ich das gerne. Um den Rahmen des Artikels nicht zu sprengen, und als Anregung soll das Gesagte im ersten Moment genügen.

 

Burnout 4 – Ich

Eine interessante Diskussion über „was bin ich?“ auf Twitter hat mich zu den nachfolgenden Überlegungen angeregt. Dies nicht zuletzt deshalb, weil das Thema auch bei Burnout zentral ist, wo es vor allem darum geht, sich selbst zu leben. Aber was heißt das denn?

Vorerst ein Diskussionsausschnitt, vielleicht nicht ganz in der richtigen Reihenfolge, was den Aussagen aber kaum Abbruch tut.

A: Will jemand eine objektive Auskunft über mich, muss er, so es nicht reine Fakten sind, die Wahrnehmung anderer bemühen.
B: Dann fragst du dein Umfeld, wer du bist? Und sammelst die Fakten ihrer Wahrnehmung. Die Zusammenfügung dieser ergibt dann dein ich?
A: Nein, ich weiß schon, wer ich bin. Aber wie ich bin, ist etwas anderes. Es wird nämlich letztlich nach der Wirkung gefragt.
B: Wenn du dein Leben danach lebst, wie du auf andere wirkst, lebst du dann nicht fremdbestimmt?
C: Je weniger behauptungen darüber, wie man sei, umso mehr spielraum in der entfaltung dessen, was man im Jetzt wirklich ist.
B: Urteilen ist nicht unbedingt gemeint. Aber sich selbst realistisch wahrzunehmen ist unmöglich.
A: Eben daher bedarf es Aussensicht und damit Objektivierung…

Interessanterweise sagt jener, der behauptet zu wissen, wer er sei, er sei der Spiritualität abgeneigt und unterscheidet zwischen „wer bin ich“ und „wie bin ich“. Dabei gehört das „Wer bin ich?“ zu den letzten Fragen des Seins, und hat damit durchaus eine spirituelle Dimension. Natürlich sind Wortmeldungen in den Social Media nicht bis ins letzte Detail überlegt und dürfen nicht auf die Goldwaage gelegt werden. Sie zeigen aber, wie wir zwar glauben, eine klare Vorstellung über uns selbst zu haben, obwohl bei näherer Betrachtung doch vieles im Unklaren liegt.

Die Frage nach dem eigenen Sein spielt im Umgang mit Burnout eine ganz wesentliche Rolle. Der Frage wird auf den Grund gegangen, wenn auch nicht in einem spirituellen Sinne, sondern in Bezug auf unser Haben, Tun und Sein und wie wir diese drei Lebenskreise gewichten.

Wir haben über unser Wesen, über unsere Fähigkeiten, Neigungen, Qualifikationen, Sehnsüchte, Stärken und Schwächen zwar eine summarische Vorstellung, aber selten Klarheit. Und noch viel weniger sind wir uns über unser Potenzial bewusst, darüber, was wir sein könnten, wenn wir wollten und die Ängste überwinden würden, welche der Realisation im Wege stehen.

Darüber Klarheit zu bekommen trägt nicht nur wesentlich dazu bei, ein bestehendes oder heranziehendes Burnout zu überwinden, sondern das eigene Leben grundsätzlich befriedigend zu gestalten.

Wir lernen schon in der Schule zu erraten, was die Lehrer gerne hören möchten, und liefern es ihnen bereitwillig, da wir gute Zensuren wollen. Wir sind dazu erzogen, Belohnung anzustreben und Bestrafung zu vermeiden. Ein innerlich freier Mensch strebt weder nach Belohnung, noch versucht er Bestrafung zu vermeiden, sondern er lebt nach seinen ganz eigenen Wertvorstellungen und Überzeugungen. Damit kann er selbstverständlich in Konflikt mit den Inhabern von Macht geraten.

Das kann ungemütlich werden, einverstanden. Dann könnte man umkippen und wieder nach der Wirkung fragen, die das eigene Verhalten steuert und damit verbunden, ob es denn gefalle. Ob dann die Beobachtung dieses Verhaltens eine objektive Auskunft über die beobachtete Person darstellt, ist nicht anzunehmen. Vielleicht eines Teils dieser Person, in diesem Fall, dass sie eine angepasste ist. Auf die Wirkung komme es ja an…

Ich will mit diesen Überlegungen nur aufzeigen, dass es gar nicht so einfach zu wissen ist, wer man zu einem gegebenen Moment ist. In der Arbeit mit Burnout benutzen wir ein hilfreiches Instrumentarium, das Aussagen macht über die im Moment ausgebildeten und gelebten und nicht gelebten Fähigkeiten, Stärken, Vorlieben, Eigenheiten und Persönlichkeitsmerkmale.

Diese Merkmale sind jedoch nicht unbedingt in Granit gemeißelt. Sie lassen sich verändern, entwickeln, sogar überwinden, falls erwünscht. In welche Richtung diese Entwicklung vorzugsweise gehen soll, liegt jedoch in tieferen Strukturen des Seins begründet, über die ganz wesentlich nachzudenken, oder noch besser nachzufühlen ist.

Letztlich geht es doch genau darum, sich gut zu fühlen, zufrieden mit sich selbst leben zu können, d.h. keine Wesensmerkmale die man im gegebenen Moment leben möchte, verleugnen zu müssen. Denn das kostet unnötig Energie und lässt einen mit leeren Händen zurück. Ein Hauptgrund für Burnout, Depression, innere Leere. Sich selbst zu leben, auch wenn die Frage nach dem Ich mit diesen wenigen Zeilen nicht beantwortet ist, ist eine Quelle der Energie und damit der Lebensfreude.

Also fragen Sie nicht Ihr Umfeld, wer und wie Sie sind, sondern suchen Sie die Antwort bei sich selbst. Nur Sie selbst können es wissen.

 

Burnout 1

Burnout ist gefährlich!

Warum?

Weil alle immer erst zu spät hinschauen!

Burnout scheint alle in die Flucht zu schlagen, noch bevor es richtig ausgebrochen ist. Aber wenn Burnout sich einmal festgesetzt hat, dann kennt es keine Gnade. Körpersymptome, Depressionssymptome, soziale Konsequenzen lassen nicht auf sich warten und sorgen in unerwarteter Heftigkeit dafür, dass es auch als Burnout zur Kenntnis genommen werden muss.

Es ist wie bei einer  Grippeinfektion. Man will es nicht wahr haben, bis Glieder- und Kopfschmerzen so stark und die Temperatur so hoch sind, dass man im Bett bleiben muss und es keine Rolle mehr spielt, wie viel Arbeit eigentlich auf Erledigung wartet.

Dies hat vor allem zwei Gründe.

Der gesellschaftliche Grund:

Depressionssymptome wie Antriebslosigkeit und Niedergeschlagenheit sind verpönt. Man hat viril, voller Energie, aufmerksam und aufgestellt zu sein. Im Gegensatz dazu genießt manisches Verhalten, obwohl genau so pathologisch, gesellschaftliches Ansehen. Workaholics werden durch die Gesellschaft als Vorbilder gehandelt. Sie sind nützlich. Ab einer gewissen Position gibt es kaum noch eine Arbeitszeit-Obergrenze.

Die Kosten, welche außerdem durch Burnout entstehen, sind enorm. In Deutschland betragen die Schätzungen zwischen sechs und zehn Milliarden Euro jährlich. Diese teilen sich auf in 45% Gesundheitskosten und 55% Arbeitgeberkosten. Deshalb verschließen Arbeitgeber gleichermaßen wie Arbeitnehmer vor Burnout erst einmal die Augen.

Die persönliche, psychische Einstellung als Grund.

Weitaus der größte Teil der westlichen Bevölkerung übt ihre jeweilige Tätigkeit ausschließlich deshalb aus, weil sie ihnen ermöglicht, ihren materiellen Verpflichtungen nachzukommen. Dagegen dass man seinen Verpflichtungen nachkommt, gibt es nichts einzuwenden. Dass dies aber bei vielen das ausschließliche Ziel ist, dagegen schon. Stellen Sie sich vor, jemand übt seine Tätigkeit deshalb aus, weil er darin Erfüllung findet, und gar nicht anders kann, als seiner Berufung so oft wie möglich zu folgen. Er wird zweifelsohne erfolgreich sein und die materielle Ernte wird zwangsläufig als Resultat eintreten. Aber nicht als Ziel! Er übt seine Tätigkeit um ihrer selbst willen aus. Das ist der Unterschied.

Kommt noch hinzu, dass unsere calvinistisch geprägte Leistungsgesellschaft ihre Kinder dazu erzieht, sich aus Pflichtgefühl in einen Produktionsprozess einzuordnen, der heute nicht mehr durch naturgegebene Umstände wie in einer Agrargesellschaft strukturiert ist, sondern in dem, symbolisch gesprochen, das tägliche Fliessband den Takt angibt. Durch Erziehung mittels Belohnung und Bestrafung sind wir als Kinder daran gewöhnt worden, keine eigenen Wertmassstäbe mehr zu entwickeln, sondern Belohnung zu erstreben und Bestrafung zu vermeiden. Nicht eigene Maßstäbe geben den Takt an, sondern von außen auferlegte.

Die logische Folge davon ist, dass die Mechanismen, welche uns steuern, verborgen bleiben, und wir uns minderwertig fühlen, und auch als minderwertig wahrgenommen werden, sobald unsere Produktivität nachlässt. Man versucht deshalb automatisch, Burnout  auszublenden, so lange der Atem noch reicht.

Handeln aus Berufung, um der Handlung willen, erfüllt uns mit Befriedigung, mit Energie. Wenn wir uns aber durch Notwendigkeiten und Sachzwänge zur Handlung zwingen lassen, so kostet das Energie. Das geht so lange gut, bis man in den „roten Bereich“ kommt und die Energiereserven unter das Wohlfühlniveau gesunken sind. Dann wäre es höchste Zeit für prophylaktische Burnout-Maßnahmen, s. auch Burnout als Thema

Sind die Energiereserven aber einmal zu Ende, dann treten die gefürchteten Symptome vergleichbar einer schweren Depression mit somatischen Symptomen auf, welche typisch für Burnout sind. Leider verschließen Arbeitgeber und Arbeitnehmer bei herannahenden Vorzeichen die Augen. Freunde und Lebenspartner wären die ehrlicheren Ratgeber. Hören wir auf sie! Eine Beratung zur Prophylaxe kann viel Unglück vermeiden. Die Erholung vom ausgewachsenen Burnout kann Monate bis Jahre dauern und Anstellung, Partnerschaft, Selbstwertgefühl und noch vieles mehr kosten.

Deshalb ist Burnout so gefährlich.

 

Flugangst überwinden

Es ist erstaunlich, wie viele Menschen unter Flugangst leiden, diese gerne überwinden würden, und wie viele von ihnen sich dabei nichts anmerken lassen möchten und deshalb doch nichts unternehmen. Dies wäre völlig unnötig, kann doch jeder Flugangst überwinden. Auch ist Flugangst weit davon entfernt, eine Schande zu sein. Sogar erfahrenen Piloten ist es schon passiert, dass sie nach Jahren der Flugpraxis langsam in dieses Dilemma gerieten.

Natürlich ist es wesentlich weniger dramatisch, wenn man die Ferien ohne Flug planen muss, als wenn Flugangst einen daran hindert, seinen Beruf uneingeschränkt auszuüben. Für den Piloten (ich habe selber zwei erlebt, und ihnen auch helfen können), für den international tätigen Manager, oder für den Profisportler ist Flugangst die reine Katastrophe.

Flugangst überwinden scheint vielen ein fast unerreichbares Ziel. Sie ist entsprechend dem Glamour, den Fliegen immer noch ausstrahlt, eine der spektakulärsten Ängste. Viele Anbieter befassen sich damit, Flugangst überwinden zu helfen und diese Angebote sind teilweise ebenso spektakulär.

Meine Erfahrung lehrt, dass Flugangst überwinden im Gegenteil spektakulär unspektakulär sein kann. Sehen Sie dazu mein Angebot zu Flugangst. Die Basis der Methode bildet, wie bei allen meinen Coachings, die aus der Hirnforschung stammende Erkenntnis, dass jedes Bekämpfen eines Verhaltens dieses erst einmal verstärkt. Das akzeptieren des Verhaltens und es vorerst so zu lassen, wie es ist, scheint als erster Schritt paradox. Dagegen widersetzen sich natürliche Reflexe in uns. Wie soll man da die Flugangst überwinden?

Jeder Mensch ist auf seine Art einzigartig. Sein Verhalten, sein Denken ist ebenso einzigartig, wie sein Weltbild. Damit es gelingt, die Flugangst dauerhaft zu überwinden, muss seine ganz persönliche Art, wie er seine Flugangst überwinden möchte, analysiert werden. Dies ist nicht sehr aufwändig. Durch Erkennen der eigenen bisherigen Strategien, kann der Betroffene schnell seine spezifischen Muster herauslesen. Diese sind die Basiselemente für eine neue Strategie, bei der mit minimalem Aufwand gelernt wird, auf völlig neue Art die eigene, ganz spezifische Flugangst endgültig zu überwinden. Techniken aus der Hypnotherapie erleichtern diesen Lernprozess.

Falls Flugangst für Sie oder für Bekannte von Ihnen ein Thema ist, scheuen Sie sich nicht, diese anzugehen, es lohnt sich. Sie können auch hier Fragen stellen, das kann für Sie hilfreich sein, oder Sie können jemandem einen Tipp geben.

Überzeugungen als Therapie 1

Im Blog über Placebo (hier) wurden Forschungen vorgestellt, die beweisen, dass Überzeugungen (also ausschließlich Hirnleistungen) die Wirkungen von Medikamenten erhöhen oder außer Kraft setzen, oder Selbstheilungskräfte aktivieren, welche zur Genesung führen.

Nun soll aus diesen Erkenntnissen Nutzen für Therapie und Coaching gezogen werden.

Eine Überzeugung besteht dann, wenn eine neuronale Verschaltung im Hirn entstanden ist, welche den Hirneigner glauben lässt, dass ein Sachverhalt existiert und wahr ist, selbst wenn Besitzer anderer Hirne diese Ansicht ebenso überzeugt nicht teilen (da sie andere Verschaltungen haben). Beispiel: Man kann felsenfest davon überzeugt sein, dass Akupunktur hilft. Aber auch genauso, dass sie gar nichts bewegt.

Solche Schaltkreise entstehen grundsätzlich durch Lernen. Dies kann auf zwei Arten geschehen:
1. Es wird ein Ereignis von sehr großer Intensität erlebt. Die ausgelöste hohe emotionale Energie führt augenblicklich zu einem Lerneffekt, also einer neuen Verdrahtung, einem neuen Schaltkreis.
2. Ein Sachverhalt wird in bestimmten zeitlichen Abständen mehrfach und mit hoher Aufmerksamkeit wiederholt, der Lerneffekt, also neue Verdrahtungen, stellt sich ebenfalls ein.

Beispiel für Fall 1: Sehr schöne, bewegende Erinnerungen oder manchmal leider auch ein Trauma, wie ein Erdbeben. Im zweiten Fall sind es Lerninhalte wie Schulwissen oder Fertigkeiten wie Bewegungsabläufe, was wiederholt aus Büchern und Notizen gelernt,oder auf dem Sportplatz eingeübt wurde. Dazu gehören auch Selbstvertrauen, oder Minderwertigkeitsgefühle, Ueberzeugungen in Form selbsterfüllender Prophezeiungen oder von Glaubenssätzen (ich bin ungeschickt), Angst vor Prüfungen, vor Fliegen, oder vor sonst etwas, u.s.w.

Aufmerksamkeit ist für den Lerneffekt sehr wichtig, das liefert die Energie für neuronale Veränderungen. Im Hirn wird die Anzahl Verbindungen erhöht und die Übertragung verbessert. Emotionale Beteiligung vervielfacht die Aufmerksamkeit und beschleunigt Lernen daher ausserordentlich.

Freude, Angst, Überraschung, Außergewöhnliches fesseln unsere Aufmerksamkeit und führen augenblicklich zu neuronalen Veränderungen. Belohnung und Bestrafung gehören ebenfalls zu diesen Verstärkern. Erziehung und Sozialisierung, wo Belohnung und Bestrafung Methode hat, ist ja ebenfalls Lernen. Leider mit ungewollt schädlichen Nebeneffekten. Darüber später.

Begehren und Aversion sind hochpotente Verstärker. Dies spielt im Erleben der Welt und daher in der therapeutischen Nutzung eine außerordentliche Rolle.

Das Fatale liegt im Folgenden: Wenn ich etwas nicht haben möchte, z.B. Aengste oder Burnout oder Beziehungsprobleme, dann belege ich das mit Aversion, einem starken Gefühl der Abneigung, also einer starken Emotion. Dies führt natürlich nicht zu Vergessen, sondern zur Vermehrung der neuronalen Verbindungen und letztlich ungewollt und kontraproduktiv zur Stabilisierung des unerwünschten Zustandes.

Das erscheint im ersten Moment als absurd, denn man muss doch etwas dagegen unternehmen und das tut man umso eher, je mehr man es ablehnt. Glaubt man, stimmt aber nicht. Selbst das „dagegen etwas unternehmen“ verstärkt die Schaltkreise zusätzlich. Wenn Sie einmal mit einem Hund im Hundetraining waren und es war ein guter Trainer, so werden Sie wissen, dass er größten Wert darauf gelegt hat, Vermeidung nicht mit Bestrafung zu erreichen, sondern das unerwünschte Handeln soll ignoriert, also nicht verstärkt werden.

Wir haben den schützenden Reflex, Schmerz oder allgemein Unangenehmes zu beseitigen. Auf der physischen Ebene ist das ausgezeichnet. Es sorgt für Überleben des Individuums und für den Fortbestand der Art. Auf der psychischen Ebene führt er meist zur Verschlimmerung. Zwar bedroht er das Überleben nicht, er macht es bloß unerfreulicher.

Wie also könnte man nun das Hirn dazu bringen, einen Schaltkreis zu verändern oder einen neuen entstehen zu lassen, ohne dabei Aufmerksamkeit auf unerwünschtes Verhalten zu lenken? Einen Schaltkreis, der eine neue Überzeugung repräsentiert, nämlich die Gewissheit, dass sich etwas zum „Guten“ wendet, was dann eben genau dem Placeboeffekt entsprechen würde, womit sich der Kreis schließt.

Dieses möchte ich an einem Beispiel demonstrieren, das sehr viele Menschen interessiert: Gewichtskontrolle, Abnehmen. Ich finde Diäten etwas Scheußliches. Auch von Disziplin bin ich nicht vorbehaltlos begeistert, obwohl ich disziplinierte Menschen bewundere. Aber jene, die essen können, was und so viel wie ihnen beliebt, diese beneide ich. Sie auch? Wieso sollten Sie das nicht können? Im nächsten Blog möchte ich dies gerne als Beispiel weiterentwickeln.

Und wenn Sie eine Anregung haben oder eine Frage, bitte benutzen Sie die Möglichkeit des Kommentars.
Und wenn Sie nichts verpassen möchten, dann tragen Sie sich doch in der rechten Spalte in die Subscription ein. Danke.

 

Verdrängung

Man sollte einerseits unterscheiden zwischen einem ersten Fall von gewolltem oder instinktivem aus dem Bewusstsein verdrängen von unangenehmen Erinnerungen, bei dem das Ereignis nicht wirklich vergessen ist, sondern lediglich der Aufmerksamkeit entzogen wird, und andererseits dem zweiten Fall, einem automatischen Überlebensmechanismus, welcher bei Ereignissen von lebensbedrohendem Ausmaß (das wird vom Opfer so erlebt, es braucht nicht zwingend lebensbedrohlich zu sein) in Aktion tritt, und den wir nicht steuern können. Im zweiten Fall gehen die Ereignisse vollständig vergessen, werden sogar oft heftig geleugnet, können aber manchmal später durch äußere Umstände wieder erinnert werden.

Hypnose kann das Wiedererinnern ebenfalls bewirken. Man muss allerdings berücksichtigen, dass unser Gedächtnis sehr dynamisch ist und durch andere Erlebnisse, Mitteilungen, Filme und anderes, starke Veränderungen mitmachen kann. Das heißt, diese späten Erinnerungen werden nicht ein exaktes Abbild der wirklichen Ereignisse sein, sind nicht als Beweismittel bei Prozessen zugelassen, und sollten auch nicht für Beschuldigungen im privaten Raum missbraucht werden. Sie können aber durchaus zu genaueren Recherchen anregen.

In einem Zwischenbereich finden wir lebensbedrohliche oder sog. traumatische Ereignisse, welche zwar nicht vergessen werden, die aber so schmerzlich sind, dass sie aus dem Tagesbewusstsein ausgeschlossen werden (müssen), oder geleugnet, oder verharmlost werden. Dies funktioniert ähnlich wie Fall eins, aber es ist natürlich ein Unterschied, ob man nicht mehr an eine nicht bestandene Prüfung oder Verlustängste erinnert werden möchte, oder im Gegensatz dazu mit einer Vergewaltigung zu Rande kommen muss, wo die Lebensqualität entscheidend vom Grad der Präsenz des Ereignisses abhängt.

In jedem dieser Fälle, und es gibt natürlich auch Zwischenstufen, sind psychische Energien am Werk, denen durch das Verdrängen der Ausgang absichtlich oder unabsichtlich verwehrt wird. Sie können nicht verarbeitet werden, wie z.B. eine Trauer, wo im rechten Umgang damit der Verarbeitung bewusst Zeit eingeräumt wird. Immerhin ermöglicht es, das gegenwärtige Leben erträglich zu gestalten.

So betrachtet hat das Verdrängen einen berechtigten Platz im menschlichen Verhalten. Es kann eine ganz wesentliche Funktion übernehmen, wenn im Moment keine andere Bewältigungsstrategie möglich ist. Es erhält somit eine wichtige Position im Ablauf von Traumatisierungen, auf welche ich später ebenfalls noch näher eingehen möchte.

Der wesentliche Nachteil besteht darin, dass dabei neuronale Schaltungen geschaffen werden, welche immer und immer wieder dieselben Energien aktivieren, welche es erschweren, mit Situationen umzugehen, welche an die traumatischen Ereignisse erinnern. Wenn man erlernen möchte, damit besser umzugehen, so ist es offensichtlich, dass eine Auflösung durch das Verdrängen nicht nur nicht erreicht werden kann, sondern diese Schwierigkeiten eher verfestigt. Die Begegnung mit den durch diese Energien hervorgerufenen Emotionen oder Blockaden, und das Durcharbeiten, sind offensichtlich eher zur Auflösung geeignet.

Ich möchte sehr gerne näher auf diese Thematik eingehen und wäre dankbar für Diskussionsbeiträge, Anregungen und Fragen. Bitte benutzen Sie die Möglichkeit unten.

Du bist – Buddhist?

Die Antworten auf die Fragen aus meinem letzten Blog lassen sich natürlich nicht als Patentrezept formulieren. Der augenzwinkernde Schüttelreim im heutigen Titel lässt erwarten, dass von buddhistischer Seite Antworten kommen. Teils ja, teils nein. Jedenfalls lohnt es sich, einen Seitenblick auf diese Lehre zu werfen, die psychologische Beratung kann nur profitieren.

Im vorangegangenen Blog waren v.a. Ängste wie Flugangst, Prüfungsangst, etc. angesprochen – also unwillkommene Umstände und die damit verbundenen Emotionen. Erstaunlich genug, befasst sich der Buddhismus auch mit willkommenen Umständen und Emotionen. Grund: wie alles, sind auch diese vergänglich und damit schon wieder Ursache für unwillkommene wie Verlustangst, Trennungsschmerz, Krankheit, Trauma und vieles mehr.

Primär geht es ja darum, glücklich zu sein, und das definieren wir meist mit Abwesenheit von Leiden. Und genau darüber hat Gautama Buddha sehr scharf nachgedacht. Er steht im Fach Nachdenken einem Sokrates, Kant, Nietzsche oder Heidegger in nichts nach. Und diese Gedanken sind sogar für Laien nachvollziehbar, was man von unseren Philosophen nicht immer behaupten kann. Also, hier Buddhas Grundfragen:

Was ist Leiden? Wie entsteht es? Was ist Aufhebung des Leidens? Was ist der Weg zu dessen Aufhebung? (Dies wird „Die Vier Edlen Wahrheiten“ genannt.)

Leiden sei Zusammentreffen mit etwas, das man nicht mag oder getrennt werden von etwas, das man mag. Und das Gegenteil von beidem sei nicht durch bloßes Wünschen erreichbar. Im letzten Blog habe ich solche Wünsche als verfolgende Gedanken bezeichnet. Wer kennt das nicht!? Präzisiert wird dies von Buddha in der Untersuchung nach dem Entstehen:

Es sei einerseits das Begehren (die „geistige Reaktion“, also wieder Gedanken!) nach Verlockendem und Angenehmem. Da denkt jeder „was ist daran falsch, dafür arbeiten wir doch?“.  Ja richtig, das ist auch gar nicht abzulehnen. Es ist auch nicht abzulehnen, dass wir Schmerz nicht mögen, oder dass wir uns mit Trauer schwer tun, wenn wir etwas Geliebtes oder auch bloß Angenehmes verlieren. Diese Haltung ist die andere Ursache für Leiden, nämlich Aversion. Beides, Angenehmes und Unangenehmes, gehört ja anerkanntermaßen zu unserem Leben.

Die Frage ist bloß, wie sollen wir damit umgehen? Unsere Gedanken und Phantasien sorgen dafür, dass Begehren oder Aversion so heftig werden, dass unser vegetatives Nervensystem eine übermäßige Reaktion aufbaut, und sich damit auf einen Kampf einlässt. Ließe sich das vielleicht anders bewältigen? Darin bestünde die Überwindung des Leidens.

Ich möchte nur noch summarisch auf den vierten Punkt, den Weg zur Aufhebung des Leidens eingehen. Dieser Weg wird als der achtfache Pfad beschrieben, der in der sogenannten vollkommenen Errichtung der Aufmerksamkeit gipfelt. Das heißt, Beobachtung des Entstehens und Vergehens von Begehren und Aversion, die in Verständnis und damit in Freiheit von Anhaftung mündet.

Der ganze von Buddha beschriebene Weg soll natürlich zur endgültigen und restlosen Befreiung von jeglichem Leiden und damit auch von Geburt und Tod führen. Das ist ja nicht das, was in psychologischer Beratung gesucht wird. In der Beratung – oder der Selbsthilfe – geht es darum, nur von einem bestimmten, eng umschriebenen Leiden befreit zu werden. Als Weg dazu eignet er sich aber durchaus. Er zielt aber ausschließlich auf das anvisierte Problem.

Von Kampf wird nichts gesagt. Nur von Beobachtung und Verständnis. Wenn es also, wie im letzten Blog erwähnt, einen Versuch wert ist, sich mit dem Schicksal zu verbünden, statt sich ihm entgegen zu stellen, so wäre der erste Schritt dazu, zu beobachten, anstatt zu kämpfen, d.h. statt zu begehren oder abzulehnen. Sammeln Sie alle Informationen über die Art wie Sie durch geistige Aktivität Begehren oder Aversion und damit unangenehme Emotionen aufbauen. Versuchen Sie, das zu verstehen. Es ist noch nicht die ganze Lösung, aber es wird bereits Erleichterung bringen.

Aktuelles:

Neuer Artikel:

Wie Muster wirken


Neu:
Workshop The Passion Test
Der letzte Workshop war sehr erfolgreich. Für Sie interessant? Orientieren Sie sich hier und schlagen Sie Ihren bevorzugten Termin vor.

Visit Us On TwitterVisit Us On FacebookVisit Us On Google PlusVisit Us On YoutubeVisit Us On LinkedinCheck Our Feed