Leo Hackl Coaching
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Artikel

Archiv (Artikel)

Angst besiegen

Ängste auflösen

Ängste lassen sich mit verschiedenen Methoden auflösen. Sehr gute Erfolge erziele ich jedoch mit einer Kombination einer bereits klassischen Methode mit einer Weiterentwicklung aus der Hirnforschung. Die Klassische, ist die sogenannte Paradoxe Intervention, welche dank der Palo Alto Gruppe mit Paul Watzlawik durch ihre spektakulären und raschen Erfolge Aufsehen erregte.

Sie ist noch heute eine der schnellsten Methoden. Der Kernpunkt ist die Symptomverschreibung, deshalb paradoxe Intervention. Es ist ja paradox, wenn nicht gar gemein, jemandem gerade das zu verschreiben, oder aufzutragen, was er loswerden möchte. Am Beispiel Angst können Sie sehen, dass dies, richtig angewandt, unfehlbar ist. Dies verlangt zwar verschiedene Massnahmen, um es zu ermöglichen, aber dann muss sich die Veränderung zwingend wie ein Naturgesetz einstellen. Wie das?

Wir reden hier von Ängsten wie Prüfungsangst, Redeangst, Flugangst und ähnlichem, sogar von Panikattacken. Überlegen Sie sich, wie so eine Angst üblicherweise auftaucht. Sie kommt völlig ungerufen, selbsttätig, gegen den Willen, vollautomatisch. Man nennt dies spontan. Angst ist ein typisches Spontanphänomen.

Nun haben Spontanphänomene wie z.B. einschlafen oder sich verlieben die Eigenschaft, dass sie eben nur spontan auftreten können. Wenn Sie einschlafen wollen, weil Sie am nächsten Tag dringend gut ausgeschlafen sein sollten, Sie wissen es, dann liegt man noch lange wach. Das Gegenteil von spontan ist nämlich willentlich. Wenn Sie einschlafen wollen, haben Sie kaum eine Chance, einzuschlafen. Dasselbe gilt beim sich verlieben. Das ist ebenso ein Spontanphänomen.

Schluckauf ist ebenfalls ein Spontanphänomen. Lockt man einen Jungen der Schluckauf hat damit, sich leicht eine hübsche Summe zu verdienen, so will er das Geld natürlich haben. Sein Auftrag lautet, nochmals Schluckauf zu haben. Er will dies unbedingt, aber der Schluckauf bleibt weg, je stärker er ihn haben will.

Nun ist die Sachlage eigentlich sehr einfach: Angst ist ein Spontanphänomen. Sich willentlich die Angst erzeugen zu wollen verhindert die Angst zwingend. Die Paradoxe Intervention ist genau jene die dem Jungen mit Schluckauf verschrieben wurde: Hab nochmals Schluckauf. Das Symptom Schluckauf wird ihm verschrieben, als Aufgabe gestellt. Also: Habe Angst! Die Angst wird nicht auftreten können.

Sie ahnen es: Ganz so einfach ist es natürlich nicht, der Teufel steckt im Detail. Wer will schon so ehrlich Angst haben wie der Junge, der sich das Geld auf schnelle Art, quasi mit einem Schluckauf verdienen möchte?

Es könnte ja auch einmal nicht funktionieren, nicht wahr? Sollte ich ins Flugzeug gestiegen sein und es rollt bereits zur Startbahn, habe ich keine Chance mehr auszusteigen, meine Flugangst wird mich auffressen, so denkt man. Wenn mich meine Prüfungsangst dann trotzdem überrollt und mir gar nichts mehr in den Sinn kommt?

Diese Gedanken verraten natürlich die Absicht: Man will vorgeben die Angst willentlich herzustellen, hat aber eigentlich die Absicht, sie zu bekämpfen. So funktioniert das natürlich nicht. Ganz wenigen gelingt es, die Angst so ehrlich zu wollen wie der Junge den Schluckauf haben will.

Irgend ein kleineres oder größeres Trauma liegt jeder Angst zugrunde. In der Therapie und in meinen Seminaren übe ich mit den Betroffenen Wege, die es ermöglichen, solche Traumas aufzulösen und die auch ermöglichen, die Angst zu besiegen.

Es würde den Rahmen dieses Artikels sprengen, wollte ich dies beschreiben. Klienten und Seminarbesucher erlernen es, und im Frühjahr 2014 wird ein Buch erscheinen, in welchem  dies alles detailliert beschrieben wird.

Burnout 4 – Ich

Eine interessante Diskussion über „was bin ich?“ auf Twitter hat mich zu den nachfolgenden Überlegungen angeregt. Dies nicht zuletzt deshalb, weil das Thema auch bei Burnout zentral ist, wo es vor allem darum geht, sich selbst zu leben. Aber was heißt das denn?

Vorerst ein Diskussionsausschnitt, vielleicht nicht ganz in der richtigen Reihenfolge, was den Aussagen aber kaum Abbruch tut.

A: Will jemand eine objektive Auskunft über mich, muss er, so es nicht reine Fakten sind, die Wahrnehmung anderer bemühen.
B: Dann fragst du dein Umfeld, wer du bist? Und sammelst die Fakten ihrer Wahrnehmung. Die Zusammenfügung dieser ergibt dann dein ich?
A: Nein, ich weiß schon, wer ich bin. Aber wie ich bin, ist etwas anderes. Es wird nämlich letztlich nach der Wirkung gefragt.
B: Wenn du dein Leben danach lebst, wie du auf andere wirkst, lebst du dann nicht fremdbestimmt?
C: Je weniger behauptungen darüber, wie man sei, umso mehr spielraum in der entfaltung dessen, was man im Jetzt wirklich ist.
B: Urteilen ist nicht unbedingt gemeint. Aber sich selbst realistisch wahrzunehmen ist unmöglich.
A: Eben daher bedarf es Aussensicht und damit Objektivierung…

Interessanterweise sagt jener, der behauptet zu wissen, wer er sei, er sei der Spiritualität abgeneigt und unterscheidet zwischen „wer bin ich“ und „wie bin ich“. Dabei gehört das „Wer bin ich?“ zu den letzten Fragen des Seins, und hat damit durchaus eine spirituelle Dimension. Natürlich sind Wortmeldungen in den Social Media nicht bis ins letzte Detail überlegt und dürfen nicht auf die Goldwaage gelegt werden. Sie zeigen aber, wie wir zwar glauben, eine klare Vorstellung über uns selbst zu haben, obwohl bei näherer Betrachtung doch vieles im Unklaren liegt.

Die Frage nach dem eigenen Sein spielt im Umgang mit Burnout eine ganz wesentliche Rolle. Der Frage wird auf den Grund gegangen, wenn auch nicht in einem spirituellen Sinne, sondern in Bezug auf unser Haben, Tun und Sein und wie wir diese drei Lebenskreise gewichten.

Wir haben über unser Wesen, über unsere Fähigkeiten, Neigungen, Qualifikationen, Sehnsüchte, Stärken und Schwächen zwar eine summarische Vorstellung, aber selten Klarheit. Und noch viel weniger sind wir uns über unser Potenzial bewusst, darüber, was wir sein könnten, wenn wir wollten und die Ängste überwinden würden, welche der Realisation im Wege stehen.

Darüber Klarheit zu bekommen trägt nicht nur wesentlich dazu bei, ein bestehendes oder heranziehendes Burnout zu überwinden, sondern das eigene Leben grundsätzlich befriedigend zu gestalten.

Wir lernen schon in der Schule zu erraten, was die Lehrer gerne hören möchten, und liefern es ihnen bereitwillig, da wir gute Zensuren wollen. Wir sind dazu erzogen, Belohnung anzustreben und Bestrafung zu vermeiden. Ein innerlich freier Mensch strebt weder nach Belohnung, noch versucht er Bestrafung zu vermeiden, sondern er lebt nach seinen ganz eigenen Wertvorstellungen und Überzeugungen. Damit kann er selbstverständlich in Konflikt mit den Inhabern von Macht geraten.

Das kann ungemütlich werden, einverstanden. Dann könnte man umkippen und wieder nach der Wirkung fragen, die das eigene Verhalten steuert und damit verbunden, ob es denn gefalle. Ob dann die Beobachtung dieses Verhaltens eine objektive Auskunft über die beobachtete Person darstellt, ist nicht anzunehmen. Vielleicht eines Teils dieser Person, in diesem Fall, dass sie eine angepasste ist. Auf die Wirkung komme es ja an…

Ich will mit diesen Überlegungen nur aufzeigen, dass es gar nicht so einfach zu wissen ist, wer man zu einem gegebenen Moment ist. In der Arbeit mit Burnout benutzen wir ein hilfreiches Instrumentarium, das Aussagen macht über die im Moment ausgebildeten und gelebten und nicht gelebten Fähigkeiten, Stärken, Vorlieben, Eigenheiten und Persönlichkeitsmerkmale.

Diese Merkmale sind jedoch nicht unbedingt in Granit gemeißelt. Sie lassen sich verändern, entwickeln, sogar überwinden, falls erwünscht. In welche Richtung diese Entwicklung vorzugsweise gehen soll, liegt jedoch in tieferen Strukturen des Seins begründet, über die ganz wesentlich nachzudenken, oder noch besser nachzufühlen ist.

Letztlich geht es doch genau darum, sich gut zu fühlen, zufrieden mit sich selbst leben zu können, d.h. keine Wesensmerkmale die man im gegebenen Moment leben möchte, verleugnen zu müssen. Denn das kostet unnötig Energie und lässt einen mit leeren Händen zurück. Ein Hauptgrund für Burnout, Depression, innere Leere. Sich selbst zu leben, auch wenn die Frage nach dem Ich mit diesen wenigen Zeilen nicht beantwortet ist, ist eine Quelle der Energie und damit der Lebensfreude.

Also fragen Sie nicht Ihr Umfeld, wer und wie Sie sind, sondern suchen Sie die Antwort bei sich selbst. Nur Sie selbst können es wissen.

 

Flugangst überwinden

Es ist erstaunlich, wie viele Menschen unter Flugangst leiden, diese gerne überwinden würden, und wie viele von ihnen sich dabei nichts anmerken lassen möchten und deshalb doch nichts unternehmen. Dies wäre völlig unnötig, kann doch jeder Flugangst überwinden. Auch ist Flugangst weit davon entfernt, eine Schande zu sein. Sogar erfahrenen Piloten ist es schon passiert, dass sie nach Jahren der Flugpraxis langsam in dieses Dilemma gerieten.

Natürlich ist es wesentlich weniger dramatisch, wenn man die Ferien ohne Flug planen muss, als wenn Flugangst einen daran hindert, seinen Beruf uneingeschränkt auszuüben. Für den Piloten (ich habe selber zwei erlebt, und ihnen auch helfen können), für den international tätigen Manager, oder für den Profisportler ist Flugangst die reine Katastrophe.

Flugangst überwinden scheint vielen ein fast unerreichbares Ziel. Sie ist entsprechend dem Glamour, den Fliegen immer noch ausstrahlt, eine der spektakulärsten Ängste. Viele Anbieter befassen sich damit, Flugangst überwinden zu helfen und diese Angebote sind teilweise ebenso spektakulär.

Meine Erfahrung lehrt, dass Flugangst überwinden im Gegenteil spektakulär unspektakulär sein kann. Sehen Sie dazu mein Angebot zu Flugangst. Die Basis der Methode bildet, wie bei allen meinen Coachings, die aus der Hirnforschung stammende Erkenntnis, dass jedes Bekämpfen eines Verhaltens dieses erst einmal verstärkt. Das akzeptieren des Verhaltens und es vorerst so zu lassen, wie es ist, scheint als erster Schritt paradox. Dagegen widersetzen sich natürliche Reflexe in uns. Wie soll man da die Flugangst überwinden?

Jeder Mensch ist auf seine Art einzigartig. Sein Verhalten, sein Denken ist ebenso einzigartig, wie sein Weltbild. Damit es gelingt, die Flugangst dauerhaft zu überwinden, muss seine ganz persönliche Art, wie er seine Flugangst überwinden möchte, analysiert werden. Dies ist nicht sehr aufwändig. Durch Erkennen der eigenen bisherigen Strategien, kann der Betroffene schnell seine spezifischen Muster herauslesen. Diese sind die Basiselemente für eine neue Strategie, bei der mit minimalem Aufwand gelernt wird, auf völlig neue Art die eigene, ganz spezifische Flugangst endgültig zu überwinden. Techniken aus der Hypnotherapie erleichtern diesen Lernprozess.

Falls Flugangst für Sie oder für Bekannte von Ihnen ein Thema ist, scheuen Sie sich nicht, diese anzugehen, es lohnt sich. Sie können auch hier Fragen stellen, das kann für Sie hilfreich sein, oder Sie können jemandem einen Tipp geben.

Angst vor

Zum letzten Blog „Teufelskreis Angst“ wurde nach Präzisierung, bzw. nach Antworten gefragt:

Es kann nicht einfach ein Patentrezept gegeben werden, auch wenn die Auflösung der Angst letztlich durch eine einfache Anweisung bewirkt wird. Diese ist eben individuell auf den einzelnen Fall abgestimmt. Es gibt ganz verschiedene Formen der Angst:

Angst vor Spinnen, Angst vor dem Zahnarzt, Angst vor Spritzen, Angst vor Krankheit, Angst vor Verlust, Existenzangst, Flugangst, Prüfungsangst, Bühnenangst, Höhenangst, Angst vor Plätzen (Platzangst), Angst vor Enge (Klaustrophobie), und nicht zuletzt Angst vor der Angst, welche die andern Ängste meist begleitet. Der Katalog ist fast beliebig erweiterbar.

Dem Vorgehen zur Auflösung der Angst ist folgendes gemeinsam: Sie muss als allererstes einmal akzeptiert, statt bekämpft werden. dies greifbar zu machen, dazu diente der Blog „Teufelskreis Angst“.

Wie das geschehen soll hängt einerseits von der Art der Angst ab, andererseits auch vom betroffenen Menschen.

Angst vor Spinnen ist meist erlernt und hat öfter viel eher mit Ekel zu tun. Flugangst kann auch eine Angst vor Enge (Klaustrophobie) sein. Prüfungsangst ist eine sehr einfache Form, hingegen Angst vor Krankheit eine eher hartnäckige.

Bei Angst vor Krankheit scheint es der betroffenen Person direkt verhängnisvoll, die Angst aufzulösen, weil das deren Schutzfunktion ausschalten könnte. Prompt wäre eine schlimme Krankheit übersehen, oder zu spät erkannt. So wenigstens denkt das Hirn der betroffenen Person. Sie wird sich also dem Ausschalten der Angst erst einmal widersetzen, ganz im Gegensatz zum Prüfling, der umso dankbarer ist, je schneller seine Angst verschwindet.

Es wird also vor allem darum gehen, die betroffene Person in ihrer Abwehrstrategie zu erfassen und sie dazu zu bringen, eine Verhaltensweise auszuprobieren, welche die Angst ausschaltet, ohne dass es zu einem Kampf gegen die Angst wird. Ein einziges Mal erfolgreich angewendet, wird diese Person nie mehr in ihre alte Verhaltensweise zurückfallen. Warum, ist dargestellt in „Eine Geschichte zur Nachhaltigkeit“.

Für ein Kind mit einer Hundephobie könnte dies ein Zauberspruch sein, weil ein Kind damit sehr gut ansprechbar ist. In schwierigeren Fällen kann auch einmal Hypnose zur Anwendung kommen, obwohl Angstpatienten meist auch Angst vor Hypnose haben. Das muss respektiert werden.

Manche brauchen eine langsame Annäherung, damit sie Vertrauen fassen können, dass die Strategie funktioniert, bevor sie sich getrauen, diese kompromisslos anzuwenden. Die Angst weitet sich eben gerne auch auf die Behandlungsmethode aus. Ganz zu schweigen von den vielen Fällen, die sich vor lauter Angst gar nicht erst getrauen, in die Beratung zu kommen. Da kann man nur raten: Nicht lange nachdenken, einfach kommen. Weglaufen kann man immer noch, das wird ein ernsthafter Berater verstehen und nicht übel nehmen. Schauen Sie unverbindlich unter dem Thema “Ängste” nach, oder benützen Sie das Kontaktformular für Fragen.

Ich hoffe, dass es jetzt etwas verständlicher ist, dass endgültige Antworten hier nicht gegeben werden können, sondern nur Wege skizzierbar sind und vor Hindernissen gewarnt werden kann. Bei weiteren Unklarheiten bitte fragen!

 

Teufelskreis Angst

Wie lässt sich der Teufelskreis Angst überwinden?

Angst begleitet uns ein Leben lang und Ängste sind sehr vielfältig. Angst schützt uns auch vor Gefahr, ja rettet sogar Leben. Die Ängste, welche unerwünscht sind, Ängste die man besiegen möchte, denen man entkommen möchte, am liebsten gar nie begegnen möchte, sind jene vor unseren eigenen Vorstellungen und Erwartungen, die irrealen Ängste.

Ich möchte diesmal noch klarer verdeutlichen, warum unser Kampf gegen diese Formen der Angst in einen Teufelskreis münden. Warum uns der Kampf noch tiefer in diesen Strudel hineinzieht. Ich habe es in den vorangegangenen Newslettern “Angst kontrollieren“, “Angst und Hoffnung“, sowie “Überzeugungen als Therapie 1” in kurzen Worten schon dargestellt. Selbst beim Abnehmen spielen dieselben Mechanismen ihre verhängnisvolle Rolle, s. “Abnehmen“.

Wir wollen partout etwas gegen Flugangst tun, gegen Prüfungsangst. Aber ohne aktive Mitwirkung verstoßen wir irgendwie gegen unsere Natur. Wir haben den Reflex, gegen unangenehme Dinge etwas zu unternehmen. Und es ist äußerst schwierig, Reflexe auszuschalten.

Da taucht auch schon die Frage auf: Ja, was kann ich denn gegen Ängste tun, wenn der Abwehrreflex anscheinend ungünstig ist? „Nichts! Tun Sie nichts gegen Ängste!“ tönt wie ein Irrsinn. Ja, was dann? Werden Sie verzweifelt fragen. Man dreht sich im Kreis.

Jedes Mal, wenn ich etwas gegen Ängste tue, gebe ich ihnen Aufmerksamkeit. Sie rücken dadurch deutlicher ins Bewusstsein und erfahren dadurch eine Aktivierung! Wenn jemand der ab und zu einen leichten Tinnitus hat, diesen Newsletter liest, der hört ihn meistens nicht. Im Moment wo er jetzt das Wort Tinnitus liest, rückt er ins Bewusstsein und wird augenblicklich hörbar. Es ist wie die Geschichte mit dem rosaroten Elefanten mit blauen Tupfen, an den man nicht denken soll. Schon sieht man ihn.

Genau dieses Phänomen setzt im vegetativen Nervensystem einen Mechanismus in Gang: Der Sympathikus bereitet sich auf einen Kampf vor, er stellt Energien bereit, entwickelt den Alarmzustand zur Bekämpfung, und leitet gleichzeitig einen Lernprozess ein. Die Emotionen werden durch das Mitwirken das Sympathikus zusätzlich verstärkt. Dies ist genau das, was man beim Lernen anstrebt, die Mitwirkung von Emotionen. Dann wird das Gelernte viel tiefer verankert. Oder im physischen Bereich: Im Gehirn werden die entsprechenden Bahnungen verstärkt, zusätzliche Dendritenverbindungen werden aufgebaut, die Übertragung wird verbessert, der neuronale Schaltkreis wird stabiler.

Kommt man also in eine Situation, welche den gleichen Nerv trifft, eine Prüfung, ein Flug, eine Ansprache, dann läuft innert Bruchteilen einer Sekunde der Aktivierungsprozess ab. Prüfungsangst, Flugangst, Redeangst werden sofort aktiviert und das in jeder Runde noch etwas mehr. Dies führt dazu, dass man sich noch stärker dagegen wehrt, was wiederum eine neue Runde des Lernprozesses bewirkt und man ist „glücklich“ in einem Teufelskreis gelandet. Die ganze Sache wird immer schlimmer.

Was also tun gegen Angst? Oder wie lassen sich Ängste denn sonst überwinden, wenn man schon nichts tun soll?

An diesem Punkt entsteht die Gefahr, dass man in die Falle eines Paradoxons gerät. Wenn man also beispielsweise versuchen soll, nichts zu unternehmen, die Angst akzeptieren (neueste Forschungsresultate am Zürcher Burghölzli bestätigen die Vorteile dieser Haltung), dann besteht die Falle im Folgenden:

Nehmen wir einmal an, es gelingt Ihnen, die Angst anzunehmen, ihrer bewusst zu sein, und nichts dagegen zu tun. Wenn Sie davon überzeugt sind, dass dies hilft, dann wird es möglicherweise gelingen. Was glauben Sie, wie lange es dauern wird, bis Sie die Angst bewältigen? Das würden Sie in dieser Situation doch sicher gerne wissen, nicht wahr? Ich kann es Ihnen sagen: Ewig! – Was? Wieso?

Nun, unser Gehirn ist sehr schlau! Ohne dass man es merkt, verwendet man die Technik des Nicht-Kämpfens im Handumdrehen dazu, die Angst zu bekämpfen. Heimlich schielt man auf den Erfolg und möchte gerne wissen, ob er jetzt endlich auch eingetreten ist. Wo ist Ihre Aufmerksamkeit? Auf der Angst! Und was tun Sie, ohne es bemerkt zu haben? Die Angst bekämpfen! Und was wird damit verstärkt? Sie wissen es: die Angst.

So besehen scheint es fast unmöglich, aus diesem Teufelskreis auszubrechen. Bei Teufelskreisen sind wir auf Hilfe von außen angewiesen. “With a little help from my friends” wird es sehr wohl möglich. Und wie? Den Teufel mit dem Belzebuben austreiben, sagt man. Genau das: Gegen Paradoxa verwendet man am besten ein Gegenparadoxon. Aus langjähriger Erfahrung kann ich Ihnen versichern, es funktioniert ausgezeichnet! Dass man dabei sehr sorgfältig zu Werke gehen muss, versteht sich von selbst. Die Kunst ist nicht die Technik an sich, die Kunst besteht darin, zu erfassen, wie der persönliche Kreislauf der Angst funktioniert und mit welcher Aktivität man kein neues Unheil anrichten kann, denn aktiv sein wollen wir so oder so. Was können Sie persönlich in der für Sie typischen Situation anders machen als bisher? Die Antwort darauf ist eine strategische Lösung. Die gute Nachricht zum Schluss: Sie lässt sich in einer oder zwei Sitzungen erarbeiten.

 

Überzeugungen als Therapie 1

Im Blog über Placebo (hier) wurden Forschungen vorgestellt, die beweisen, dass Überzeugungen (also ausschließlich Hirnleistungen) die Wirkungen von Medikamenten erhöhen oder außer Kraft setzen, oder Selbstheilungskräfte aktivieren, welche zur Genesung führen.

Nun soll aus diesen Erkenntnissen Nutzen für Therapie und Coaching gezogen werden.

Eine Überzeugung besteht dann, wenn eine neuronale Verschaltung im Hirn entstanden ist, welche den Hirneigner glauben lässt, dass ein Sachverhalt existiert und wahr ist, selbst wenn Besitzer anderer Hirne diese Ansicht ebenso überzeugt nicht teilen (da sie andere Verschaltungen haben). Beispiel: Man kann felsenfest davon überzeugt sein, dass Akupunktur hilft. Aber auch genauso, dass sie gar nichts bewegt.

Solche Schaltkreise entstehen grundsätzlich durch Lernen. Dies kann auf zwei Arten geschehen:
1. Es wird ein Ereignis von sehr großer Intensität erlebt. Die ausgelöste hohe emotionale Energie führt augenblicklich zu einem Lerneffekt, also einer neuen Verdrahtung, einem neuen Schaltkreis.
2. Ein Sachverhalt wird in bestimmten zeitlichen Abständen mehrfach und mit hoher Aufmerksamkeit wiederholt, der Lerneffekt, also neue Verdrahtungen, stellt sich ebenfalls ein.

Beispiel für Fall 1: Sehr schöne, bewegende Erinnerungen oder manchmal leider auch ein Trauma, wie ein Erdbeben. Im zweiten Fall sind es Lerninhalte wie Schulwissen oder Fertigkeiten wie Bewegungsabläufe, was wiederholt aus Büchern und Notizen gelernt,oder auf dem Sportplatz eingeübt wurde. Dazu gehören auch Selbstvertrauen, oder Minderwertigkeitsgefühle, Ueberzeugungen in Form selbsterfüllender Prophezeiungen oder von Glaubenssätzen (ich bin ungeschickt), Angst vor Prüfungen, vor Fliegen, oder vor sonst etwas, u.s.w.

Aufmerksamkeit ist für den Lerneffekt sehr wichtig, das liefert die Energie für neuronale Veränderungen. Im Hirn wird die Anzahl Verbindungen erhöht und die Übertragung verbessert. Emotionale Beteiligung vervielfacht die Aufmerksamkeit und beschleunigt Lernen daher ausserordentlich.

Freude, Angst, Überraschung, Außergewöhnliches fesseln unsere Aufmerksamkeit und führen augenblicklich zu neuronalen Veränderungen. Belohnung und Bestrafung gehören ebenfalls zu diesen Verstärkern. Erziehung und Sozialisierung, wo Belohnung und Bestrafung Methode hat, ist ja ebenfalls Lernen. Leider mit ungewollt schädlichen Nebeneffekten. Darüber später.

Begehren und Aversion sind hochpotente Verstärker. Dies spielt im Erleben der Welt und daher in der therapeutischen Nutzung eine außerordentliche Rolle.

Das Fatale liegt im Folgenden: Wenn ich etwas nicht haben möchte, z.B. Aengste oder Burnout oder Beziehungsprobleme, dann belege ich das mit Aversion, einem starken Gefühl der Abneigung, also einer starken Emotion. Dies führt natürlich nicht zu Vergessen, sondern zur Vermehrung der neuronalen Verbindungen und letztlich ungewollt und kontraproduktiv zur Stabilisierung des unerwünschten Zustandes.

Das erscheint im ersten Moment als absurd, denn man muss doch etwas dagegen unternehmen und das tut man umso eher, je mehr man es ablehnt. Glaubt man, stimmt aber nicht. Selbst das „dagegen etwas unternehmen“ verstärkt die Schaltkreise zusätzlich. Wenn Sie einmal mit einem Hund im Hundetraining waren und es war ein guter Trainer, so werden Sie wissen, dass er größten Wert darauf gelegt hat, Vermeidung nicht mit Bestrafung zu erreichen, sondern das unerwünschte Handeln soll ignoriert, also nicht verstärkt werden.

Wir haben den schützenden Reflex, Schmerz oder allgemein Unangenehmes zu beseitigen. Auf der physischen Ebene ist das ausgezeichnet. Es sorgt für Überleben des Individuums und für den Fortbestand der Art. Auf der psychischen Ebene führt er meist zur Verschlimmerung. Zwar bedroht er das Überleben nicht, er macht es bloß unerfreulicher.

Wie also könnte man nun das Hirn dazu bringen, einen Schaltkreis zu verändern oder einen neuen entstehen zu lassen, ohne dabei Aufmerksamkeit auf unerwünschtes Verhalten zu lenken? Einen Schaltkreis, der eine neue Überzeugung repräsentiert, nämlich die Gewissheit, dass sich etwas zum „Guten“ wendet, was dann eben genau dem Placeboeffekt entsprechen würde, womit sich der Kreis schließt.

Dieses möchte ich an einem Beispiel demonstrieren, das sehr viele Menschen interessiert: Gewichtskontrolle, Abnehmen. Ich finde Diäten etwas Scheußliches. Auch von Disziplin bin ich nicht vorbehaltlos begeistert, obwohl ich disziplinierte Menschen bewundere. Aber jene, die essen können, was und so viel wie ihnen beliebt, diese beneide ich. Sie auch? Wieso sollten Sie das nicht können? Im nächsten Blog möchte ich dies gerne als Beispiel weiterentwickeln.

Und wenn Sie eine Anregung haben oder eine Frage, bitte benutzen Sie die Möglichkeit des Kommentars.
Und wenn Sie nichts verpassen möchten, dann tragen Sie sich doch in der rechten Spalte in die Subscription ein. Danke.

 

Placebo

Das Wort hat einen unliebsamen Klang. Für viele hat es mit Betrug, und nicht ernst genommen werden zu tun.

Die Frage taucht natürlich auf, wieviel an psychotherapeutischen Behandlungen oder an Coachings auf Placeboeffekten beruht. Gerade Hypnose liesse sich zu einem grossen Teil dadurch erklären, obwohl sie in der Amerikanischen Schulmedizin zum Standard gehört.

Längst ist bewiesen, dass auch bei jedem wirklichen Medikament die Verbesserung der Symptome zu einem grossen Teil der Placebowirkung zu verdanken ist, teilweise sogar bis zu 50%!

Die Diskussionen um die Komplementärmedizin haben dazu geführt, dass die Forschung sich weltweit intensiv mit der Wirksamkeit von Placebos befasst. Und die Resultate sind erstaunlich. Schauen wir uns kurz um:

Auf DRS2 in der Sendung Kontext vom 16. Februar 2011 wurde in der Diskussion mit Schweizer und US Amerikanischen Forschern unter Leitung von Pascal Biber ein Überblick über den Stand dieser Forschungen v.a. an der Harvard Medical School gegeben. Am Schluss dieses Blogs gebe ich Ihnen den entsprechenden Link an, damit Sie sich das anzuhören können. Die Sendung dauert 28 Minuten.

Soeben wurde auch in Science Translational Medicine eine Studie an der University of Oxford veröffentlicht, welche in die gleiche Richtung geht. Kurz zusammengefasst lautet die Aussage:

Das Gehirn kann die Wirkung von Medikamenten erhöhen oder verschwinden lassen. Weiss der Patient z.B. nicht, dass er ein Schmerzmittel injiziert bekam, sank der Schmerz der auf einer Skala von 1-100 mit durchschnittlich 66 angegeben war, auf 55. Wurde die Verabreichung mitgeteilt, sank der Schmerz weiter auf durchschnittlich 39. Dann wurde den Patienten gesagt, das Schmerzmittel sei abgesetzt, die Dosis jedoch gleichbleibend beibehalten. Der Schmerz stieg darauf auf 64 an, obwohl nichts verändert war. Und dies bei einem der besten zur Verfügung stehenden Schmerzmittel!

Die Erwartungen scheinen also eine entscheidende Rolle zu spielen. Nicht die Dinge oder Ereignisse sind es, die uns Leiden bescheren, sondern wie wir über sie denken. Und wie wir über Behandlungen denken kann durch Rituale entscheidend beeinflusst werden. Der Behandlungskontext in der Arztpraxis, die erhaltene Aufmerksamkeit und weitere Faktoren spielen eine bedeutende Rolle.

Ich war einmal zu einer Reise zu südafrikanischen Schamanen als psychologische Betreuung eingeladen. Die Heilungserfolge sind da derart spektakulär, Gelähmte tragen buchstäblich ihre Bahre weg, dass die Besucher derart aufgewühlt sind, dass Betreuung notwendig ist. Die Rituale dauern über Stunden und sind sehr beeindruckend. Sie nehmen sämtlich Sinnesorgane gefangen. Die ganze Prozedur mit ihren Erfolgen passt sehr gut in die neueren Forschungsergebnisse.

Die gute Meldung ist aber, dass die durch Placebos erzielte Wirkung auch dann erfolgt, wenn sie offen als solche deklariert werden, wie eine ganz neue Studie zeigt.

Wie verhält es sich nun, wenn beispielsweise ein Coaching für Ängste die Erwartungen, Hoffnungen, Einstellungen verändert, und das innert kürzester Zeit zu völlig souveränem Umgang mit den Ängsten führt? Worauf ist es zurückzuführen, wenn dies ausnahmsweise einmal nicht der Fall ist? Wie viel hat dies mit dem Glauben und den Erwartungen der betroffenen Person zu tun? Wie könnte man dem begegnen, falls die angebotene Lösung unter Placeboverdacht steht, und man weiß, dass Placebos die als solche deklariert sind, trotzdem wirken?

Dies soll im nächsten Blog besprochen werden.

Und hier noch zwei weiterführende Links. Zuerst die Sendung Kontext und als zweites die Untersuchung der University of Oxford.

Podcast DRS2 Kontext 6.2.11 zum hören: http://pod.drs.ch/mp3/kontext/kontext_201102161002_10168514.mp3
Pressetext zum lesen:
http://www.pressetext.ch/news/110217009/schmerzmittel-erwartung-bestimmt-wirksamkeit/

Wie immer freue ich mich über Kommentare und beantworte sie auch.

Angst und Hoffnung

„Angst kann nicht ohne Hoffnung existieren und Hoffnung nicht ohne Angst.“ (Baruch Spinoza). Obwohl, nebenbei bemerkt, es gibt gute Hoffnung, z.B. bei Flugangst.

Spinoza kann man sich kaum verschliessen, hat er doch den Anstoss zur Aufklärung gegeben und sich auch intensiv mit menschlichem Glück befasst. Aus dem Tractatus theologico-politikus stammt das folgende Zitat:“…weil sie (die Menschen) meistens bei ihrem maßlosen Streben nach ungewissen Glücksgütern kläglich zwischen Furcht und Hoffnung schwanken…“

Man wird sogleich auch wieder an Buddha erinnert (Zusammenfassung Buddhismus im Blog “Du bist – Buddhist?). Das maßlose Streben nach ungewissen Glücksgütern, also Verlangen. Oder maßloses Streben, Unglück los zu werden, das wäre dann die Aversion. Beides begründet Leiden im buddhistischen Sinne.

Natürlich ist das immer mit Hoffnung verknüpft, sonst würde man den Kampf ja kaum aufnehmen wollen. Und die Hoffnung ist mit der Angst verknüpft – entweder es nicht zu schaffen oder es dann wieder zu verlieren.

Und Goethe formulierte einmal: “Hoffnung ist die zweite Seele der Unglücklichen.“ In der Hoffnung steckt ja auch schon der nagende Zweifel. Hoffnung habe ich auf das Ungewisse, nicht auf das Gewisse.

Da müsste es ja auch heissen „Die Angst stirbt zuletzt“, weil Hoffnung und Angst ein unzertrennliches Paar sind.

Wahrlich ein erschreckendes Paar! Die reinste Hölle tut sich auf. Und wer da steht, am Höllentor, muss die Worte Dantes in der Divina Comedia zur Kenntnis nehmen: „Lasst, die ihr eintretet, alle Hoffnung fahren.“

Und das ist auch mein (im ersten Moment schrecklicher) Rat für jene, die lernen wollen, mit Angst umzugehen. Gebt diesen ewigen Kampf auf, er ist sowieso verloren. Es ist nur „mehr desselben“, die Lösung selbst wird zum Problem (Paul Watzlawick). Oder haben all die Strategien jemals geholfen? Sehen Sie! Watzlawick hat angeregt, bei untauglichen Lösungen einmal in die genau entgegengesetzte Richtung zu gehen. Genau das tun wir hier mit beachtlichem Erfolg.

Eines der Probleme liegt aber darin, dass uns westlichen Menschen (und nicht nur diesen) etwas gar nicht gegeben ist: nichts zu tun, uns in das Schicksal zu ergeben, etwas als unabwendbar zu akzeptieren. Wir sind eine Gesellschaft von Machern, wir wollen kämpfen. Alles andere ist uns als Fatalismus suspekt.

So fatalistisch soll es natürlich nicht sein. Wir analysieren Ihre Taktiken des Kämpfens. Sei es bei Prüfungsangst, Flugangst, Redeangst, Angst vor Regenwürmern oder was immer. Diese lassen sich in wenige Kategorien einteilen. Zu jeder Kategorie gibt es individuelle Anweisungen, welche wunderbar dabei helfen, alle Hoffnung fahren zu lassen. Aber auf eine erträgliche Art. Und erst noch durch aktives dazu Beitragen. So ist beiden Forderungen, jener der Umstände (Angst akzeptieren), als auch der Forderungen der Betroffenen (ich will etwas tun!) Rechnung getragen und die Hindernisse lösen sich schneller auf, als man sich vorstellen kann.

Wir erhalten immer wieder Rückmeldungen, in denen erwähnt wird „ich hätte nicht geglaubt, dass es so einfach sein könnte“. Gerade das Einfache ist oft am schwersten zu erkennen.

Zu Hagen Glatzle gelangen Sie übrigens im letzten Blog über den Link in seinem Kommentar (lohnt sich). Danke Hagen Glatzle! Und jetzt sehen Sie auch gleich, dass Kommentare nicht vergebliche Müh sind.

Angst kontrollieren

Ängste erscheinen am häufigsten als Prüfungsangst, Spinnenangst, Redeangst und Flugangst. Alle Betroffenen, möchten solche Ängste so rasch wie möglich unter Kontrolle bringen, sie bekämpfen und ganz von der Bildfläche verbannen. Wie man solche Ängste beherrschen könnte, darauf gehe ich, wie bereits in Aussicht gestellt, heute etwas näher ein.

In meinem Blog „Geschickt mit Geschick?“ habe ich darauf hingewiesen, dass  die Abwehr von Ängsten eine Strategie ist, die nur „mehr desselben“, nämlich einer untauglichen Lösung bedeutet, und dass man sich eher mit seinen Ängsten verbünden solle.

Auf welche Art also? Jeder kennt das Gefühl, von der Angst „gepackt“, „überwältigt“, „gelähmt“ zu werden. Eine Erwartung oder Vorstellung ist das aktive Element, die betroffene Person das erleidende Element. Ein sehr gangbarer Weg besteht darin, die Rollen dieser beiden Akteure zu vertauschen.

Sollte dies gelingen, wäre die Konsequenz, dass die Angst völlig anders erlebt wird. Sie bekommt eine neue, viel angenehmere Qualität. Ja, angenehmer! Allein die Tatsache, dass nicht mehr die Angst mit mir nach Belieben umspringt, sondern dass ich aktiver Teilnehmer und nicht nur erleidender werde, verschiebt die Perspektive grundlegend.

Ein Beispiel: Ich werde in einem fernen Lande mit jemandem verwechselt, der polizeilich gesucht ist. Ich werde verhaftet, Hände in Handschellen auf den Rücken, ins Polizeifahrzeug verfrachtet, genau wie aus Krimis bekannt, also geschubst, Kopf runter gedrückt, etc. Stattdessen hätte ich vielleicht die Unausweichlichkeit rechtzeitig realisieren können, mich vor der Verhaftung zum Polizeifahrzeug begeben, freiwillig einsteigen und zurufen können, ich wolle kooperieren. Welche Variante ist wohl angenehmer?

So ähnlich funktioniert eine der erfolgreichen Strategien zur Angstkontrolle. Ich gehe aktiv in auf mich abgestimmter Weise auf die Angst zu, anstatt vor ihr zu flüchten. Wir werden nie völlig ohne Angst sein. Aber die daraus erwachsende Fähigkeit, aktiv die Angst zu kontrollieren, führt dazu, dass wir aus der erfolgreichen Bewältigung Kraft schöpfen, anstatt wie bisher jeglicher Kraft beraubt zu werden.

Dazu möchte ich aber festhalten, dass die Fähigkeit, Angst zu haben, grundsätzlich etwas sehr hilfreiches ist. Bei uns lebte einmal ein Kater, dem diese Fähigkeit komplett abging. Furchtlos hat er sich vor einen herannahenden Lastwagen gestellt. Hier endete dann seine Karriere abrupt und tragisch. Soweit ist das ja klar.

Daraus folgt, dass Angstbewältigungsstrategien NICHT dazu verwendet werden dürfen, um natürliche Hemmungen vor realen Gefahren auszublenden. Sie sind anwendbar auf irreale Ängste, die sich dadurch von realen unterscheiden, dass das Gefahrenpotenzial lediglich in der Vorstellung besteht. Die Angst selbst ist dadurch nicht weniger real, denn das Gehirn unterscheidet nicht zwischen Realität und Phantasie. Denken Sie nur einmal an Albträume, die heftige körperliche Reaktionen auslösen können, obwohl sie bloß Traum sind.

Dass dies nicht gleich von heute auf morgen angewendet werden kann, ist auch klar. Es braucht dazu eine kleine Analyse der bisherigen Strategien, eine Methodik, die Situation rechtzeitig erkennen und vor allem akzeptieren zu können, und wenn das gelungen ist, braucht es einen einfachen Handlungsplan, der leicht anzuwenden ist. Und manchmal braucht es ein individuell abgestimmtes Coaching, um Hindernisse zur Umsetzung aus dem Weg zu räumen. Das scheint viel, aber…

Die frohe Botschaft: Dies ist nicht aufwändig und in der Mehrzahl der Fälle in einer einzigen Sitzung umsetzbar. Zweifler gibt es immer, da kann es dann ausnahmsweise drei oder sechs Sitzungen erfordern. Diese Fälle sind aber selten. In Seminaren zu 10-15 Teilnehmer dauert dies alles ganze drei Stunden. Zweifler haben anschließend die Möglichkeit zu einer individuellen Sitzung. Dies genügt. Die Erfolgsquote ist seit 20 Jahren derart hoch und anhaltend, dass ich Hemmungen habe, Zahlen zu nennen.

Ihre Fragen helfen mir, näher auf Sie einzugehen. Angst zu fragen? Falls ja, machen Sie den Selbstversuch. Gestehen Sie sich diese Angst kurz ein und schauen Sie was passiert, wenn Sie dann fragen. In diesem Sinne, und bis zum nächsten Mal!

Aktuelles


Ich bin zurück. Während der ganzen Sommerferien habe ich Normalbetrieb, Sie können Termine mit mir abmachen.

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