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Angst

Ängste auflösen

Ängste lassen sich mit verschiedenen Methoden auflösen. Sehr gute Erfolge erziele ich jedoch mit einer Kombination einer bereits klassischen Methode mit einer Weiterentwicklung aus der Hirnforschung. Die Klassische, ist die sogenannte Paradoxe Intervention, welche dank der Palo Alto Gruppe mit Paul Watzlawik durch ihre spektakulären und raschen Erfolge Aufsehen erregte.

Sie ist noch heute eine der schnellsten Methoden. Der Kernpunkt ist die Symptomverschreibung, deshalb paradoxe Intervention. Es ist ja paradox, wenn nicht gar gemein, jemandem gerade das zu verschreiben, oder aufzutragen, was er loswerden möchte. Am Beispiel Angst können Sie sehen, dass dies, richtig angewandt, unfehlbar ist. Dies verlangt zwar verschiedene Massnahmen, um es zu ermöglichen, aber dann muss sich die Veränderung zwingend wie ein Naturgesetz einstellen. Wie das?

Wir reden hier von Ängsten wie Prüfungsangst, Redeangst, Flugangst und ähnlichem, sogar von Panikattacken. Überlegen Sie sich, wie so eine Angst üblicherweise auftaucht. Sie kommt völlig ungerufen, selbsttätig, gegen den Willen, vollautomatisch. Man nennt dies spontan. Angst ist ein typisches Spontanphänomen.

Nun haben Spontanphänomene wie z.B. einschlafen oder sich verlieben die Eigenschaft, dass sie eben nur spontan auftreten können. Wenn Sie einschlafen wollen, weil Sie am nächsten Tag dringend gut ausgeschlafen sein sollten, Sie wissen es, dann liegt man noch lange wach. Das Gegenteil von spontan ist nämlich willentlich. Wenn Sie einschlafen wollen, haben Sie kaum eine Chance, einzuschlafen. Dasselbe gilt beim sich verlieben. Das ist ebenso ein Spontanphänomen.

Schluckauf ist ebenfalls ein Spontanphänomen. Lockt man einen Jungen der Schluckauf hat damit, sich leicht eine hübsche Summe zu verdienen, so will er das Geld natürlich haben. Sein Auftrag lautet, nochmals Schluckauf zu haben. Er will dies unbedingt, aber der Schluckauf bleibt weg, je stärker er ihn haben will.

Nun ist die Sachlage eigentlich sehr einfach: Angst ist ein Spontanphänomen. Sich willentlich die Angst erzeugen zu wollen verhindert die Angst zwingend. Die Paradoxe Intervention ist genau jene die dem Jungen mit Schluckauf verschrieben wurde: Hab nochmals Schluckauf. Das Symptom Schluckauf wird ihm verschrieben, als Aufgabe gestellt. Also: Habe Angst! Die Angst wird nicht auftreten können.

Sie ahnen es: Ganz so einfach ist es natürlich nicht, der Teufel steckt im Detail. Wer will schon so ehrlich Angst haben wie der Junge, der sich das Geld auf schnelle Art, quasi mit einem Schluckauf verdienen möchte?

Es könnte ja auch einmal nicht funktionieren, nicht wahr? Sollte ich ins Flugzeug gestiegen sein und es rollt bereits zur Startbahn, habe ich keine Chance mehr auszusteigen, meine Flugangst wird mich auffressen, so denkt man. Wenn mich meine Prüfungsangst dann trotzdem überrollt und mir gar nichts mehr in den Sinn kommt?

Diese Gedanken verraten natürlich die Absicht: Man will vorgeben die Angst willentlich herzustellen, hat aber eigentlich die Absicht, sie zu bekämpfen. So funktioniert das natürlich nicht. Ganz wenigen gelingt es, die Angst so ehrlich zu wollen wie der Junge den Schluckauf haben will.

Irgend ein kleineres oder größeres Trauma liegt jeder Angst zugrunde. In der Therapie und in meinen Seminaren übe ich mit den Betroffenen Wege, die es ermöglichen, solche Traumas aufzulösen und die auch ermöglichen, die Angst zu besiegen.

Es würde den Rahmen dieses Artikels sprengen, wollte ich dies beschreiben. Klienten und Seminarbesucher erlernen es, und im Frühjahr 2014 wird ein Buch erscheinen, in welchem  dies alles detailliert beschrieben wird.

Stress und Angst abbauen

Auslöser von Stress, Stressoren genannt, bestehen sowohl aus äusseren Einflüssen wie Lärm, Reizüberflutung, Einschränkungen etc., aber weitaus der grösste Teil der Stressoren sind Ängste.

Für eine sofortige Reduktion ist die folgende Technik sehr hilfreich und sinnvoll:

Nehmen wir als Beispiel eine reale Gefahr. Sie haben sich auf einer Bergtour verlaufen und befinden sich in einer steilen, rutschigen Traverse. Es gibt kein Zurück, weil Sie nicht ohne grösste Gefahr zurücksteigen können, die Wahrscheinlichkeit zu stürzen ist zu hoch. Ausgleiten hätte fatale Folgen, nach 100 Metern unaufhaltsamen Rutschens käme eine hohe Felswand, die Sie unweigerlich hinunterstürzen würden. Todesgefahr! Der Puls steigt auf 160. Eine solche reale Gefahr löst berechtigte Angst aus. Es entsteht Stress, d.h. das vegetative Nervensystem reagiert automatisch mit der Ausschüttung von Stresshormonen wie Adrenalin, Cortisol, Noradrenalin, Dopamin und weitere.

Diese Reaktion ist richtig, sie warnt Sie unmissverständlich und bereitet den Körper auf Kampf oder Flucht vor. Stress, wenn er im Fall von sehr hoher Gefahr ein bestimmtes Mass überschreitet, bedeutet aber auch, dass Sie keine klaren Gedanken fassen können, um die richtige Taktik oder den richtigen Entscheid zu finden. Dies wäre jetzt besonders wichtig.

Lösung:
Halten Sie inne. Schaffen Sie sich einen sicheren Stand und warten Sie. Seien Sie sich klar, dass jetzt überstürztes Handeln gefährlich ist. Zuerst müssen Sie herunterfahren, d.h. den Adrenalinspiegel senken, den Puls normalisieren und ruhig werden. Dann erst können Sie überlegen.

Sobald Sie sicheren Stand haben, beginnen Sie, auf Ihre Atmung zu achten. Nehmen Sie einfach wahr, wie sich die Atmung verhält. Ihr emotionaler Zustand beeinflusst die Atmung enorm, sie ist sehr sensibel darauf. Die Emotionen ihrerseits reagieren aber auch auf die Atmung. Sie sind über die Atmung beeinflussbar. Dies ist der Schlüssel zur Lösung. Die Atmung geschieht entweder automatisch, gesteuert vom vegetativen Nervensystem, oder willentlich.

Sie werden feststellen, dass Ihre Atmung im Angstzustand flach ist und sich auf die mittleren und oberen Atemräume beschränkt, nur Brustkorb und Schlüsselbeine bewegen sich. Zeitweise wird die Atmung bei stark gefüllter Lunge ganz stoppen und Sie werden versuchen eher einzuatmen, statt die Lungen wieder zu leeren. Dies geschieht ganz automatisch. Sie atmen nun also willentlich folgendermassen:

Ganz bewusst ausatmen und dann gar nichts tun. Überhaupt nichts, bloss warten. Nach einer halben, oder zwei oder fünf Sekunden atmet “es” automatisch wieder ein. Lassen Sie diesen Reflex selbstverständlich zu, aber versuchen Sie dabei, den unteren Atemraum zu füllen, d.h. den Bauch mit dem Einatem herauszustossen und versuchen, den Brustkorb kaum zu bewegen. Als Nächstes lassen Sie den Atem sofort wieder los, aus der Lunge herausfallen sozusagen. Und nun warten Sie erneut auf den Einatemreflex.

Es gibt also drei Phasen, die Sie in dieser Reihenfolge ablaufen lassen:

  1. Bewusst ausatmen
  2. Atempause, einen Moment gar nichts tun
  3. Einatmen geschehen lassen, aber bewusst durch ausdehnen der Bauchwand in den unteren Atemraum lenken und den Atem sofort wieder entlassen, d.h. sofort zu 1. zurückkehren.

Sie werden erstaunt sein, wie schnell sich Adrenalin abbaut, die Herzfrequenz sich beruhigt und Ihre Angst verschwindet. Nun können Sie wieder klare Gedanken fassen. Dies sollten Sie zuerst vor einem Spiegel mehrmals üben, es ist gar nicht so einfach.

Diese Methode hilft für einen Moment auch sehr gut bei neurotischen, also irrealen Ängsten. Sie befreit allerdings nicht endgültig davon. Bei berechtigten Ängsten darf dies auch nicht sein, denn wenn Sie in eine Gefahrensituation geraten, haben Sie keinen besseren Freund als Ihre Angst. Sie warnt Sie und zwingt Sie zu handeln.

Natürlich, bei den irrealen Ängsten würde man sich das ja gerne wünschen.  Aufgrund von Phantasien reagiert das vegetative Nervensystems auch hier mit der Aktivierung des Sympathikus, des “Flight and Fight”, also der Bereitschaft zu flüchten oder zu kämpfen. Bei irrealen Ängsten natürlich unsinnig. Am Berg in der Wand hätte das aber im Falle berechtigter Angst fatale Folgen. Darum nehmen Sie solche Reaktionen bitte ernst und setzen diese Technik ein, um in Ruhe zu entscheiden, statt unter Druck einen Fehlentscheid zu treffen.

Bei überraschend auftretenden Situationen ist das jedoch anders. Da haben Sie kaum Zeit, noch lange Atemübungen durchzuführen. Dafür braucht es ein spezielles Training.

Angst durch Trauma

Etwa jeder 20. Fall von irrealer (oder neurotischer) Angst lässt sich nicht in einer oder wenigen Sitzungen auflösen, da er auf einem tiefer liegenden Trauma gründet. Für einen solchen Fall habe ich von einer betroffenen Person das Einverständnis zur Veröffentlichung bekommen (Namen geändert).

Herr Sommer, ein etwa 50-jähriger Mann, beklagt sich über Angstzustände, ausgelöst durch Situationen, in denen er sich nicht entfernen kann.

Beispiele: Das Gedränge auf den Stehplätzen eines Fußballspieles, wo er panikartig das Stadion verlassen muss, aus Angst, sonst sofort zusammenzubrechen. Lange Zugfahrten mit Schnellzügen, wo längere Zeit keine Möglichkeit besteht, auszusteigen. Autofahrten auf Strecken mit notorischen Staus, wo er nicht wegfahren kann und das Auto nicht verlassen darf. Nur schon die Vorstellung solcher Situationen verursacht Blähungen, Kribbeln in den Füssen und Beinen, das sich bis zur Bewegungsunfähigkeit steigern kann. Dazu gesellt sich oft eine Art Flash im Kopf.

Seine bisherigen Lösungen: Fußballspiele meiden, Zugfahrten nur mit Regionalzügen, die an jeder Station anhalten, Autofahrten auf Umwegen oder zu Zeiten, wo keine Staus zu erwarten sind.

Die erste strategische Vorgehensweise bringt zwar rasche und starke Verbesserungen, das üblicherweise vollständige Ausbleiben der Angstsymptomatik lässt sich aber nur teilweise erreichen. Dies lässt eine schwere Traumatisierung vermuten. Zufällig erwähnt er an einer Sitzung Narben von Verletzungen durch einen Unfall. Was war geschehen?

Im Alter von 20 Jahren war er mit einer Gruppe von Kollegen am Wochenende im Ausgang, wo wie üblich vermehrt Alkohol genossen wurde. Man beschloss zu vorgerückter Stunde, noch in ein Nachbardorf zu fahren, um weiter zu feiern. Gesagt getan. Zu viert bestieg man das Auto des einen Kollegen, der stark alkoholisiert war und mit hoher Geschwindigkeit losfuhr. Herr Sommer saß hinten rechts. Nach mehreren halsbrecherischen Überholmanövern bat der hinten links, neben ihm sitzende junge Mann, aussteigen zu dürfen. Es wurde ihm irgendwo im Niemandsland zwischen den Dörfern gewährt. Der Fahrer musste dazu aussteigen, es war ein zweitüriges Auto.

Der Höllenritt ging weiter und wäre fast von einem vor ihnen fahrenden langsameren Verkehrsteilnehmer gebremst worden. Aber bedenkenlos setzte der Fahrer in einer leichten Rechtskurve vor einer Brücke in überhöhter Geschwindigkeit zum Überholen an. Das Auto wurde jedoch über die Kurve hinausgetragen, wobei es eine die Fahrbahn abschließende Begrenzung mit ohrbetäubendem, kreischendem Lärm aufrollte, und anschließend mit einem Knall in den Brückenpfeiler krachte und da zum Stehen kam. Völlige Stille.

Die Fahrbahnbegrenzung bestand aus einzelnen Eisenpfosten aus H-Profilen, in etwa drei Metern Abstand einbetoniert. Oben hatte jeder Pfosten eine viereckige Öffnung, in welche Vierkanthölzer, Durchmesser etwa 10×16 cm als Geländer gelegt waren.

Das Auto war genau von vorne auf ein solches Kantholz geprallt, das beim Aufprall auf den Brückenpfeiler wie eine Lanze durch den Motorraum in den Fahrgastraum gerammt wurde und da genau auf die Mitte der Brust des Fahrers. Sie durchstieß diesen mitsamt seiner Sitzlehne und erreichte den Rücksitz da, wo noch vor drei Minuten der ausgestiegene Kollege gesessen hatte.

Herr Sommer erinnert sich nur noch an die bedrückende Stille und die Gewissheit, dass etwas Furchtbares geschehen sein musste, dass er irgendwie ausstieg, um das Auto herumging, und Leute ihn davon abhielten, nach dem Fahrer zu schauen. Seine eigenen Verletzungen entdeckte er erst später.

Es ist bekannt, dass man in Situationen allerhöchster Gefahr sogar Dinge sieht und mitbekommt, die nicht im Blickfeld liegen. Auch muss Herr Sommer am aufgespießten Fahrer vorbei ausgestiegen sein, nachdem der vorne sitzende Kamerad den Ausstieg freigegeben hatte. Dabei dürfte ihm das Blutbad in einem halben Meter Entfernung kaum entgangen sein.

Was für Gefühle müssen Herrn Sommer bewegt haben, aus nächster Nähe mit zu erleben, wie sein Kamerad von so einem groben Kantholz durchdrungen und an die Rücklehne geheftet wurde?! Dabei hatte er selbst nicht die geringste Möglichkeit, etwas abzuwehren, oder zu flüchten, sondern schwebte selber in allerhöchster Gefahr. Ja er hatte zu allem Überfluss die Gelegenheit verpasst, früher auszusteigen!

Er war dazu verurteilt, chancenlos auf dem Rücksitz eingesperrt zu sein. Dies alles erzählt er heute ohne die geringsten Emotionen und ohne Erinnerung an irgendwelche Details. Wen wundert’s, dass er in Panik gerät, wenn er in eine Situation gerät, wo er nicht flüchten kann, und dass er heute lieber einmal zu früh aussteigt, als einmal zu spät?

Es ist einerseits die Gnade unserer Psyche, dass sie uns vor solchen Erinnerungen schützt, indem die Emotionen vom Ereignis abgespalten und ein großer Teil der Erinnerungen gelöscht werden. Es ist aber auch der Fluch der unbewusst gespeicherten Erinnerung, die den ganzen Horror dann wieder aktiviert, sobald man in eine ähnliche Situation des Eingeschlossen seins gerät.

Um die Ängste weitestgehend aufzulösen wäre die nachträgliche Verarbeitung des Ereignisses notwendig. Viele fürchten diese nochmalige Begegnung, was zu verstehen ist. Auch Herr Sommer selbst lässt es lieber bei einer 70-prozentigen Besserung bewenden. Ich kann es ihm nicht verübeln.

Mechanismen der Angst

Angst folgt in ihrem Ablauf immer demselben Schema. Gleich mehr davon.

Die Angst, von welcher hier die Rede ist, ist jene irreale, wo keine reale Gefahr in Sicht ist, jene, unter der Menschen unbegreiflich leiden, welche sie unbedingt loswerden möchten, sie ständig bekämpfen und dabei trotzdem erfolglos bleiben. Zu nennen wären Flugangst, Prüfungsangst, Redeangst, Sozialphobie, Angst vor Enge oder Weite, also Klaustrophobie oder Agoraphobie (z.B. die Angst vor Tunnels, Menschenmassen, grossen Plätzen oder überhaupt ins Freie zu gehen), Panikattacken und viele mehr. Lösungen wären im Angst-Seminar zu finden.

Das Schema ist folgendes:

  1. Verschiedene Auslöser wecken Vorstellungen, Phantasien. Das läuft in unseren Köpfen ab. Unser Gehirn unterscheidet nicht zwischen Real und Irreal. Wenn wir beispielsweise nachts von einem Albtraum geweckt werden, rast das Herz und wir haben Schweißausbrüche.
  2. Da in unserem Gehirn Alarmzentralen aktiviert werden, kommt es zu Körperreaktionen wie z.B. das oben beschriebene Herzrasen, aber auch anderen Körpersensationen wie Schwindel, zitternde Knie oder Hände, Enge in der Brust, Würgen und vieles mehr.
  3. Wir fühlen uns diesen Reaktionen hilflos ausgeliefert und wir versuchen, die Auslöser zu meiden oder die auslösende Situation zu verlassen. Wir wissen zwar, dass die Angstreaktion unbegründet ist, aber es gelingt uns nicht, sie auszuschalten. „Es geschieht einfach“. Es geschieht scheinbar ohne unser Dazutun, es tritt völlig selbsttätig, also spontan auf.
  4. Irgendwie werden wir dann unter mehr oder weniger großem Leiden mit der Situation fertig, oder wir verlassen den Tunnel, steigen aus dem Flugzeug oder was sonst immer. Wir sind aber hinterher nicht mehr ganz die gleichen wie vorher. Unsere Angst vor der Angst hat sich aufgrund der wiederholenden Erfahrung weiter verstärkt. Wir sind künftig noch aufmerksamer auf die Auslöser und reagieren oft noch heftiger, wenn wir wieder in eine ähnliche Situation geraten.

Das Typische ist der Automatismus, wie wir scheinbar ohne eigenes Zutun immer wieder bei ähnlichen Umständen in dieselbe Gemütsverfassung geraten, also das spontane Auftreten der irrealen Ängste.

Um mit diesen Ängsten auf völlig andere Art umgehen zu können, lässt sich der Automatismus hervorragend verwenden. Man hat in Forschungen z.B. an der Universität Zürich nachweisen können, dass es die Angst wesentlich reduziert, wenn man sich ihrer bewusst ist, und sie akzeptiert. Das wäre einen Versuch wert.

Nun kommt die große Falle: Ich will ja meine Angst unbedingt loswerden und nicht sie akzeptieren. Sie ist ganz und gar inakzeptabel! Wenn mir nun jemand kommt und sagt, ich müsste die Angst bloss akzeptieren, um sie los zu werden, dann bin ich, nach einigem Kopfschütteln, vielleicht bereit, sie zu akzeptieren. Aber nur, weil mir glaubhaft in Aussicht gestellt wird, dass sie dann das Feld räumt.

Frage: Akzeptiere ich in diesem Fall meine Angst? Nein, natürlich nicht! Ich bluffe ja nur, dass ich sie akzeptiere, denn mit diesem Trick will ich sie ja noch immer genau so vehement loswerden, wie zuvor.

Ist man erst einmal so weit, so ist man in einem Paradoxon gefangen, aus dem es nur schwer ein Entrinnen gibt. Um Paradoxa aufzulösen braucht es wirksame Gegenparadoxa. Nun sind diese leider recht individuell, was heißt, man kann keine allgemein gültigen Gegenparadoxa zur Verfügung stellen, sondern man muss sie individuell erarbeiten.

Als sehr hilfreich dafür hat sich erwiesen, diese in Kleingruppen, einem sog. Angst-Seminar zu erarbeiten. Einerseits haben die Teilnehmer den Schutz der Intimität in einer Kleingruppe. Oft scheuen sich angstgeplagte Menschen, sich zu outen. Die Kleingruppe gibt dafür genügend Sicherheit.

Der Hauptvorteil der Gruppe besteht darin, dass man auch die Betrachtungsweisen der andern Teilnehmer erfährt. Das Thema wird aus verschiedenen Perspektiven beleuchtet, was bedeutet, dass man von den Erfahrungen der andern profitieren kann und die Lösung mit verschiedenen Worten beschrieben aufnehmen kann. Das Verständnis wird enorm erleichtert, die Wahrscheinlichkeit, aus dem Paradoxon herauszufinden wird um ein Vielfaches, bei konsequenter Anwendung bis zur Gewissheit erhöht.

Wenn Sie gerne erfahren möchten, wie so ein Kleingruppenseminar abläuft, dann schauen Sie hier vorbei: Angst-Seminar

 

 

Burnout 4 – Ich

Eine interessante Diskussion über „was bin ich?“ auf Twitter hat mich zu den nachfolgenden Überlegungen angeregt. Dies nicht zuletzt deshalb, weil das Thema auch bei Burnout zentral ist, wo es vor allem darum geht, sich selbst zu leben. Aber was heißt das denn?

Vorerst ein Diskussionsausschnitt, vielleicht nicht ganz in der richtigen Reihenfolge, was den Aussagen aber kaum Abbruch tut.

A: Will jemand eine objektive Auskunft über mich, muss er, so es nicht reine Fakten sind, die Wahrnehmung anderer bemühen.
B: Dann fragst du dein Umfeld, wer du bist? Und sammelst die Fakten ihrer Wahrnehmung. Die Zusammenfügung dieser ergibt dann dein ich?
A: Nein, ich weiß schon, wer ich bin. Aber wie ich bin, ist etwas anderes. Es wird nämlich letztlich nach der Wirkung gefragt.
B: Wenn du dein Leben danach lebst, wie du auf andere wirkst, lebst du dann nicht fremdbestimmt?
C: Je weniger behauptungen darüber, wie man sei, umso mehr spielraum in der entfaltung dessen, was man im Jetzt wirklich ist.
B: Urteilen ist nicht unbedingt gemeint. Aber sich selbst realistisch wahrzunehmen ist unmöglich.
A: Eben daher bedarf es Aussensicht und damit Objektivierung…

Interessanterweise sagt jener, der behauptet zu wissen, wer er sei, er sei der Spiritualität abgeneigt und unterscheidet zwischen „wer bin ich“ und „wie bin ich“. Dabei gehört das „Wer bin ich?“ zu den letzten Fragen des Seins, und hat damit durchaus eine spirituelle Dimension. Natürlich sind Wortmeldungen in den Social Media nicht bis ins letzte Detail überlegt und dürfen nicht auf die Goldwaage gelegt werden. Sie zeigen aber, wie wir zwar glauben, eine klare Vorstellung über uns selbst zu haben, obwohl bei näherer Betrachtung doch vieles im Unklaren liegt.

Die Frage nach dem eigenen Sein spielt im Umgang mit Burnout eine ganz wesentliche Rolle. Der Frage wird auf den Grund gegangen, wenn auch nicht in einem spirituellen Sinne, sondern in Bezug auf unser Haben, Tun und Sein und wie wir diese drei Lebenskreise gewichten.

Wir haben über unser Wesen, über unsere Fähigkeiten, Neigungen, Qualifikationen, Sehnsüchte, Stärken und Schwächen zwar eine summarische Vorstellung, aber selten Klarheit. Und noch viel weniger sind wir uns über unser Potenzial bewusst, darüber, was wir sein könnten, wenn wir wollten und die Ängste überwinden würden, welche der Realisation im Wege stehen.

Darüber Klarheit zu bekommen trägt nicht nur wesentlich dazu bei, ein bestehendes oder heranziehendes Burnout zu überwinden, sondern das eigene Leben grundsätzlich befriedigend zu gestalten.

Wir lernen schon in der Schule zu erraten, was die Lehrer gerne hören möchten, und liefern es ihnen bereitwillig, da wir gute Zensuren wollen. Wir sind dazu erzogen, Belohnung anzustreben und Bestrafung zu vermeiden. Ein innerlich freier Mensch strebt weder nach Belohnung, noch versucht er Bestrafung zu vermeiden, sondern er lebt nach seinen ganz eigenen Wertvorstellungen und Überzeugungen. Damit kann er selbstverständlich in Konflikt mit den Inhabern von Macht geraten.

Das kann ungemütlich werden, einverstanden. Dann könnte man umkippen und wieder nach der Wirkung fragen, die das eigene Verhalten steuert und damit verbunden, ob es denn gefalle. Ob dann die Beobachtung dieses Verhaltens eine objektive Auskunft über die beobachtete Person darstellt, ist nicht anzunehmen. Vielleicht eines Teils dieser Person, in diesem Fall, dass sie eine angepasste ist. Auf die Wirkung komme es ja an…

Ich will mit diesen Überlegungen nur aufzeigen, dass es gar nicht so einfach zu wissen ist, wer man zu einem gegebenen Moment ist. In der Arbeit mit Burnout benutzen wir ein hilfreiches Instrumentarium, das Aussagen macht über die im Moment ausgebildeten und gelebten und nicht gelebten Fähigkeiten, Stärken, Vorlieben, Eigenheiten und Persönlichkeitsmerkmale.

Diese Merkmale sind jedoch nicht unbedingt in Granit gemeißelt. Sie lassen sich verändern, entwickeln, sogar überwinden, falls erwünscht. In welche Richtung diese Entwicklung vorzugsweise gehen soll, liegt jedoch in tieferen Strukturen des Seins begründet, über die ganz wesentlich nachzudenken, oder noch besser nachzufühlen ist.

Letztlich geht es doch genau darum, sich gut zu fühlen, zufrieden mit sich selbst leben zu können, d.h. keine Wesensmerkmale die man im gegebenen Moment leben möchte, verleugnen zu müssen. Denn das kostet unnötig Energie und lässt einen mit leeren Händen zurück. Ein Hauptgrund für Burnout, Depression, innere Leere. Sich selbst zu leben, auch wenn die Frage nach dem Ich mit diesen wenigen Zeilen nicht beantwortet ist, ist eine Quelle der Energie und damit der Lebensfreude.

Also fragen Sie nicht Ihr Umfeld, wer und wie Sie sind, sondern suchen Sie die Antwort bei sich selbst. Nur Sie selbst können es wissen.

 

Flugangst und Panikattacken

Welche Überzeugungen viele leider davon abhalten, etwas gegen ihre Flugangst zu unternehmen. Hier ein Bericht, der auf www.123recht.net veröffentlicht wurde (Link am Schluss):

Der Betroffene berichtet, er hätte das Problem, an extremer Flugangst mit Panikattacken zu leiden und müsste demnächst dienstlich in die USA fliegen. Was er tun könne.  Er denkt an alles Mögliche, nur nicht daran, einen Experten für Flugangst zu konsultieren.

Er schaffe einen Flug bis zu ca. 3 Stunden, da könne er auch so halbwegs seine Panikattacken unter Kontrolle halten. Bei so einer Panikattacke neige er dazu, sich selbst zu verletzen indem er seine Haut zerkratze bis es großflächig blute und er werde auch anderen gegenüber, die versuchen würden, ihn davon abzuhalten, extrem aggressiv. Er habe sich bei so einer Panikattacke absolut nicht unter Kontrolle.

Die Probleme der Selbstverletzung seien erst später durch eine Posttraumatische Belastungsstörung hinzugekommen. Selbstmordgedanken und Flashbacks in Bezug auf das traumatische Ereignis damals, seien dank Therapie verschwunden. Panikattacken und Selbstverletzungen jedoch geblieben.

Beruhigungsmittel brächten keine Besserung, selbst Dormicum (LMAA Mittel), was vor OPs gegeben wird, würden bei dieser extremen Flugangst nachweislich versagen.

Die eigentliche Angst betreffe die Folgen für seine Familie falls das Flugzeug abstürze, sowie die Erwartung des Gefühls des freien Falls während des Absturzes, nicht den Tod an sich.

Und nun etwas Wichtiges und sehr Hinderliches:
Er bezweifelt, dass ein Seminar ihm helfen könne, denn dieses könne ja nicht die Folgen eines solchen Ereignisses verhindern. Er bezweifle zudem stark, dass ein einfaches Flugangst-Seminar schaffen könne, was eine Psychiaterin in 3 Jahren Therapie nicht geschafft habe, nämlich zu verhindern dass er austickere und seine Panik unter Kontrolle zu bekommen.

Dazu sind einige grundsätzliche Bemerkungen angebracht:
Was die Psychiaterin geschafft hat, ist bemerkenswert. Man braucht vom gleichen Therapeuten aber nicht zu erwarten, dass er oder sie auf allen Spezialgebieten gleich gut beschlagen ist.

Auch Seminare bringen einiges zustande, obwohl die Erfolge hier sehr unterschiedlich sind, und der Aufwand manchmal erstaunlich hoch ist.

Wenn ein Trauma einen wesentlicher Bestandteil der Flugangst oder auch ähnlicher Ängste darstellt, und dieses Trauma wie im vorliegenden Fall erfolgreich bearbeitet werden konnte, dann würde es eigentlich nur noch einen kleinen Schritt bedeuten, mit wenigen, tiefgreifenden Maßnahmen das Verhaltensmuster zu verändern.

Grundängste (resultierend aus einem Trauma) können sich bei verschiedensten Gelegenheiten manifestieren. Oft manifestieren sich diese bei einer zufälligen Gelegenheit, zeigen sich und „erblühen“ regelrecht und wiederholen sich in der Folge bei verwandten Sachverhalten. Durch wenige strategische Schritte (Verhaltensanweisungen) kann das damit verbundene Verhalten, welches die Panik auslöst, geändert werden. (Nicht das Ereignis löst die Panik aus, sondern das eigene Verhaltensmuster). Das Trauma ist damit natürlich nicht aufgelöst, aber die Flugangst ist bleibend beseitigt.

Was es bedeutet, dass das Trauma noch besteht? Die Grundangst kann sich bei andern Gelegenheiten aufs Neue manifestieren. Es harrt noch seiner Auflösung, was aber unabhängig von der nun verschwundenen spezifischen Angst in Ruhe angegangen werden kann.

Unser obiges Beispiel für einen dienstlichen Flug in die USA: Der Flug könnte problemlos stattfinden, das Trauma ist hier schon behandelt. Selbst wenn es das nicht wäre, könnte das später noch geschehen. Dem Flug würde nichts im Wege stehen.

Viele Flugangst-Betroffene glauben nicht an die Möglichkeit der effizienten Behebung ihrer Flugangst. Und genau dies ist das Haupthindernis zu dessen Auflösung. Es ist verständlich, dass jemand, der unter Ängsten leidet, auch Angst davor hat, seine Ängste anzugehen, jemanden zu konsultieren, sich damit auseinander zu setzen. Diese Angst ist ein Hauptgrund weiterhin Flugangst oder ähnliche zu behalten, dabei wäre es so einfach, s. Link Flugangst. Auch Prüfungsängste sind mit Leichtigkeit zu beheben.

Und hier noch der Link zur Originalgeschichte über Panikattacken bei Flugangst.

 

Flugangst überwinden

Es ist erstaunlich, wie viele Menschen unter Flugangst leiden, diese gerne überwinden würden, und wie viele von ihnen sich dabei nichts anmerken lassen möchten und deshalb doch nichts unternehmen. Dies wäre völlig unnötig, kann doch jeder Flugangst überwinden. Auch ist Flugangst weit davon entfernt, eine Schande zu sein. Sogar erfahrenen Piloten ist es schon passiert, dass sie nach Jahren der Flugpraxis langsam in dieses Dilemma gerieten.

Natürlich ist es wesentlich weniger dramatisch, wenn man die Ferien ohne Flug planen muss, als wenn Flugangst einen daran hindert, seinen Beruf uneingeschränkt auszuüben. Für den Piloten (ich habe selber zwei erlebt, und ihnen auch helfen können), für den international tätigen Manager, oder für den Profisportler ist Flugangst die reine Katastrophe.

Flugangst überwinden scheint vielen ein fast unerreichbares Ziel. Sie ist entsprechend dem Glamour, den Fliegen immer noch ausstrahlt, eine der spektakulärsten Ängste. Viele Anbieter befassen sich damit, Flugangst überwinden zu helfen und diese Angebote sind teilweise ebenso spektakulär.

Meine Erfahrung lehrt, dass Flugangst überwinden im Gegenteil spektakulär unspektakulär sein kann. Sehen Sie dazu mein Angebot zu Flugangst. Die Basis der Methode bildet, wie bei allen meinen Coachings, die aus der Hirnforschung stammende Erkenntnis, dass jedes Bekämpfen eines Verhaltens dieses erst einmal verstärkt. Das akzeptieren des Verhaltens und es vorerst so zu lassen, wie es ist, scheint als erster Schritt paradox. Dagegen widersetzen sich natürliche Reflexe in uns. Wie soll man da die Flugangst überwinden?

Jeder Mensch ist auf seine Art einzigartig. Sein Verhalten, sein Denken ist ebenso einzigartig, wie sein Weltbild. Damit es gelingt, die Flugangst dauerhaft zu überwinden, muss seine ganz persönliche Art, wie er seine Flugangst überwinden möchte, analysiert werden. Dies ist nicht sehr aufwändig. Durch Erkennen der eigenen bisherigen Strategien, kann der Betroffene schnell seine spezifischen Muster herauslesen. Diese sind die Basiselemente für eine neue Strategie, bei der mit minimalem Aufwand gelernt wird, auf völlig neue Art die eigene, ganz spezifische Flugangst endgültig zu überwinden. Techniken aus der Hypnotherapie erleichtern diesen Lernprozess.

Falls Flugangst für Sie oder für Bekannte von Ihnen ein Thema ist, scheuen Sie sich nicht, diese anzugehen, es lohnt sich. Sie können auch hier Fragen stellen, das kann für Sie hilfreich sein, oder Sie können jemandem einen Tipp geben.

Angst vor

Zum letzten Blog „Teufelskreis Angst“ wurde nach Präzisierung, bzw. nach Antworten gefragt:

Es kann nicht einfach ein Patentrezept gegeben werden, auch wenn die Auflösung der Angst letztlich durch eine einfache Anweisung bewirkt wird. Diese ist eben individuell auf den einzelnen Fall abgestimmt. Es gibt ganz verschiedene Formen der Angst:

Angst vor Spinnen, Angst vor dem Zahnarzt, Angst vor Spritzen, Angst vor Krankheit, Angst vor Verlust, Existenzangst, Flugangst, Prüfungsangst, Bühnenangst, Höhenangst, Angst vor Plätzen (Platzangst), Angst vor Enge (Klaustrophobie), und nicht zuletzt Angst vor der Angst, welche die andern Ängste meist begleitet. Der Katalog ist fast beliebig erweiterbar.

Dem Vorgehen zur Auflösung der Angst ist folgendes gemeinsam: Sie muss als allererstes einmal akzeptiert, statt bekämpft werden. dies greifbar zu machen, dazu diente der Blog „Teufelskreis Angst“.

Wie das geschehen soll hängt einerseits von der Art der Angst ab, andererseits auch vom betroffenen Menschen.

Angst vor Spinnen ist meist erlernt und hat öfter viel eher mit Ekel zu tun. Flugangst kann auch eine Angst vor Enge (Klaustrophobie) sein. Prüfungsangst ist eine sehr einfache Form, hingegen Angst vor Krankheit eine eher hartnäckige.

Bei Angst vor Krankheit scheint es der betroffenen Person direkt verhängnisvoll, die Angst aufzulösen, weil das deren Schutzfunktion ausschalten könnte. Prompt wäre eine schlimme Krankheit übersehen, oder zu spät erkannt. So wenigstens denkt das Hirn der betroffenen Person. Sie wird sich also dem Ausschalten der Angst erst einmal widersetzen, ganz im Gegensatz zum Prüfling, der umso dankbarer ist, je schneller seine Angst verschwindet.

Es wird also vor allem darum gehen, die betroffene Person in ihrer Abwehrstrategie zu erfassen und sie dazu zu bringen, eine Verhaltensweise auszuprobieren, welche die Angst ausschaltet, ohne dass es zu einem Kampf gegen die Angst wird. Ein einziges Mal erfolgreich angewendet, wird diese Person nie mehr in ihre alte Verhaltensweise zurückfallen. Warum, ist dargestellt in „Eine Geschichte zur Nachhaltigkeit“.

Für ein Kind mit einer Hundephobie könnte dies ein Zauberspruch sein, weil ein Kind damit sehr gut ansprechbar ist. In schwierigeren Fällen kann auch einmal Hypnose zur Anwendung kommen, obwohl Angstpatienten meist auch Angst vor Hypnose haben. Das muss respektiert werden.

Manche brauchen eine langsame Annäherung, damit sie Vertrauen fassen können, dass die Strategie funktioniert, bevor sie sich getrauen, diese kompromisslos anzuwenden. Die Angst weitet sich eben gerne auch auf die Behandlungsmethode aus. Ganz zu schweigen von den vielen Fällen, die sich vor lauter Angst gar nicht erst getrauen, in die Beratung zu kommen. Da kann man nur raten: Nicht lange nachdenken, einfach kommen. Weglaufen kann man immer noch, das wird ein ernsthafter Berater verstehen und nicht übel nehmen. Schauen Sie unverbindlich unter dem Thema “Ängste” nach, oder benützen Sie das Kontaktformular für Fragen.

Ich hoffe, dass es jetzt etwas verständlicher ist, dass endgültige Antworten hier nicht gegeben werden können, sondern nur Wege skizzierbar sind und vor Hindernissen gewarnt werden kann. Bei weiteren Unklarheiten bitte fragen!

 

Angst und Hoffnung

„Angst kann nicht ohne Hoffnung existieren und Hoffnung nicht ohne Angst.“ (Baruch Spinoza). Obwohl, nebenbei bemerkt, es gibt gute Hoffnung, z.B. bei Flugangst.

Spinoza kann man sich kaum verschliessen, hat er doch den Anstoss zur Aufklärung gegeben und sich auch intensiv mit menschlichem Glück befasst. Aus dem Tractatus theologico-politikus stammt das folgende Zitat:“…weil sie (die Menschen) meistens bei ihrem maßlosen Streben nach ungewissen Glücksgütern kläglich zwischen Furcht und Hoffnung schwanken…“

Man wird sogleich auch wieder an Buddha erinnert (Zusammenfassung Buddhismus im Blog “Du bist – Buddhist?). Das maßlose Streben nach ungewissen Glücksgütern, also Verlangen. Oder maßloses Streben, Unglück los zu werden, das wäre dann die Aversion. Beides begründet Leiden im buddhistischen Sinne.

Natürlich ist das immer mit Hoffnung verknüpft, sonst würde man den Kampf ja kaum aufnehmen wollen. Und die Hoffnung ist mit der Angst verknüpft – entweder es nicht zu schaffen oder es dann wieder zu verlieren.

Und Goethe formulierte einmal: “Hoffnung ist die zweite Seele der Unglücklichen.“ In der Hoffnung steckt ja auch schon der nagende Zweifel. Hoffnung habe ich auf das Ungewisse, nicht auf das Gewisse.

Da müsste es ja auch heissen „Die Angst stirbt zuletzt“, weil Hoffnung und Angst ein unzertrennliches Paar sind.

Wahrlich ein erschreckendes Paar! Die reinste Hölle tut sich auf. Und wer da steht, am Höllentor, muss die Worte Dantes in der Divina Comedia zur Kenntnis nehmen: „Lasst, die ihr eintretet, alle Hoffnung fahren.“

Und das ist auch mein (im ersten Moment schrecklicher) Rat für jene, die lernen wollen, mit Angst umzugehen. Gebt diesen ewigen Kampf auf, er ist sowieso verloren. Es ist nur „mehr desselben“, die Lösung selbst wird zum Problem (Paul Watzlawick). Oder haben all die Strategien jemals geholfen? Sehen Sie! Watzlawick hat angeregt, bei untauglichen Lösungen einmal in die genau entgegengesetzte Richtung zu gehen. Genau das tun wir hier mit beachtlichem Erfolg.

Eines der Probleme liegt aber darin, dass uns westlichen Menschen (und nicht nur diesen) etwas gar nicht gegeben ist: nichts zu tun, uns in das Schicksal zu ergeben, etwas als unabwendbar zu akzeptieren. Wir sind eine Gesellschaft von Machern, wir wollen kämpfen. Alles andere ist uns als Fatalismus suspekt.

So fatalistisch soll es natürlich nicht sein. Wir analysieren Ihre Taktiken des Kämpfens. Sei es bei Prüfungsangst, Flugangst, Redeangst, Angst vor Regenwürmern oder was immer. Diese lassen sich in wenige Kategorien einteilen. Zu jeder Kategorie gibt es individuelle Anweisungen, welche wunderbar dabei helfen, alle Hoffnung fahren zu lassen. Aber auf eine erträgliche Art. Und erst noch durch aktives dazu Beitragen. So ist beiden Forderungen, jener der Umstände (Angst akzeptieren), als auch der Forderungen der Betroffenen (ich will etwas tun!) Rechnung getragen und die Hindernisse lösen sich schneller auf, als man sich vorstellen kann.

Wir erhalten immer wieder Rückmeldungen, in denen erwähnt wird „ich hätte nicht geglaubt, dass es so einfach sein könnte“. Gerade das Einfache ist oft am schwersten zu erkennen.

Zu Hagen Glatzle gelangen Sie übrigens im letzten Blog über den Link in seinem Kommentar (lohnt sich). Danke Hagen Glatzle! Und jetzt sehen Sie auch gleich, dass Kommentare nicht vergebliche Müh sind.

Verdrängung

Man sollte einerseits unterscheiden zwischen einem ersten Fall von gewolltem oder instinktivem aus dem Bewusstsein verdrängen von unangenehmen Erinnerungen, bei dem das Ereignis nicht wirklich vergessen ist, sondern lediglich der Aufmerksamkeit entzogen wird, und andererseits dem zweiten Fall, einem automatischen Überlebensmechanismus, welcher bei Ereignissen von lebensbedrohendem Ausmaß (das wird vom Opfer so erlebt, es braucht nicht zwingend lebensbedrohlich zu sein) in Aktion tritt, und den wir nicht steuern können. Im zweiten Fall gehen die Ereignisse vollständig vergessen, werden sogar oft heftig geleugnet, können aber manchmal später durch äußere Umstände wieder erinnert werden.

Hypnose kann das Wiedererinnern ebenfalls bewirken. Man muss allerdings berücksichtigen, dass unser Gedächtnis sehr dynamisch ist und durch andere Erlebnisse, Mitteilungen, Filme und anderes, starke Veränderungen mitmachen kann. Das heißt, diese späten Erinnerungen werden nicht ein exaktes Abbild der wirklichen Ereignisse sein, sind nicht als Beweismittel bei Prozessen zugelassen, und sollten auch nicht für Beschuldigungen im privaten Raum missbraucht werden. Sie können aber durchaus zu genaueren Recherchen anregen.

In einem Zwischenbereich finden wir lebensbedrohliche oder sog. traumatische Ereignisse, welche zwar nicht vergessen werden, die aber so schmerzlich sind, dass sie aus dem Tagesbewusstsein ausgeschlossen werden (müssen), oder geleugnet, oder verharmlost werden. Dies funktioniert ähnlich wie Fall eins, aber es ist natürlich ein Unterschied, ob man nicht mehr an eine nicht bestandene Prüfung oder Verlustängste erinnert werden möchte, oder im Gegensatz dazu mit einer Vergewaltigung zu Rande kommen muss, wo die Lebensqualität entscheidend vom Grad der Präsenz des Ereignisses abhängt.

In jedem dieser Fälle, und es gibt natürlich auch Zwischenstufen, sind psychische Energien am Werk, denen durch das Verdrängen der Ausgang absichtlich oder unabsichtlich verwehrt wird. Sie können nicht verarbeitet werden, wie z.B. eine Trauer, wo im rechten Umgang damit der Verarbeitung bewusst Zeit eingeräumt wird. Immerhin ermöglicht es, das gegenwärtige Leben erträglich zu gestalten.

So betrachtet hat das Verdrängen einen berechtigten Platz im menschlichen Verhalten. Es kann eine ganz wesentliche Funktion übernehmen, wenn im Moment keine andere Bewältigungsstrategie möglich ist. Es erhält somit eine wichtige Position im Ablauf von Traumatisierungen, auf welche ich später ebenfalls noch näher eingehen möchte.

Der wesentliche Nachteil besteht darin, dass dabei neuronale Schaltungen geschaffen werden, welche immer und immer wieder dieselben Energien aktivieren, welche es erschweren, mit Situationen umzugehen, welche an die traumatischen Ereignisse erinnern. Wenn man erlernen möchte, damit besser umzugehen, so ist es offensichtlich, dass eine Auflösung durch das Verdrängen nicht nur nicht erreicht werden kann, sondern diese Schwierigkeiten eher verfestigt. Die Begegnung mit den durch diese Energien hervorgerufenen Emotionen oder Blockaden, und das Durcharbeiten, sind offensichtlich eher zur Auflösung geeignet.

Ich möchte sehr gerne näher auf diese Thematik eingehen und wäre dankbar für Diskussionsbeiträge, Anregungen und Fragen. Bitte benutzen Sie die Möglichkeit unten.

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