Wer sucht nicht sein Glück, wer möchte ihn nicht erreichen, diesen Zustand, in dem man sagen kann, ich bin glücklich? Irgendwie glauben wir, ganz genau zu wissen, was das letztlich sein soll, dieses höchste aller Ziele. Aber es genau zu beschreiben und den Weg dahin zu schildern, vermögen die wenigsten.
Natürlich wird das Gebiet immer wieder erforscht, Voraussetzungen genannt, Ursachen und Wirkmechanismen erklärt. Aber die Erklärungsmodelle sind oft meilenweit voneinander entfernt. Ich möchte deshalb versuchen, mich dem Thema von drei Seiten zu nähern:
1. Mihaly Csikszentmihalyi hat 1985 und dann v.a. 1990 unter dem Namen „Flow, Das Geheimnis des Glücks“ die Resultate einer großen Studie veröffentlicht. Er hat dabei ganz grundlegende Elemente für Glück wissenschaftlich belegt. Die Resultate haben wesentliche praktische Bedeutung.
2. Die neuere Hirnforschung ist den Mechanismen nachgegangen, welche ausschließlich im Hirn ablaufen und hat eine ganze Anzahl Zentren isoliert, welche an der Entstehung des Glücksgefühls beteiligt sind. Die Ergebnisse haben keine praktische Bedeutung was das Erreichen dieses Zustands betrifft. Die Bedeutung liegt mehr im pharmakologischen Bereich. Oder könnten Sie z.B. ihren Gyrus Cinguli mal kurz etwas aktivieren, damit etwas praktische Anwendung ins Geschehen kommt? Eben.
3. Gewisse Hirnforscher haben versucht, den Menschen etwas ganzheitlicher zu betrachten und sich nicht auf das Hirn allein zu beschränken. Einiges davon ist vielleicht noch etwas spekulativ und die entsprechenden Forscher wurden daher von der Wissenschaftsgemeinde auch zeitweise ausgegrenzt. Dies war aber schon immer der Fall, wenn etwas wirklich Neues entdeckt wurde. Die Entdecker der Plastizität des Hirns wären bis 1999 beinahe auf dem Scheiterhaufen gelandet – im übertragenen Sinne natürlich, heute gibt es dafür viel subtilere Methoden.
Natürlich gibt es auch Vorgänger, denn Glück hat seit Aristoteles, und sicher noch früher, immer das Interesse von Denkern geweckt. Ich möchte aber jetzt auf diese drei neueren Grundlagen in je einem Artikel etwas näher eintreten und beginne gerne mit Mihaly Csikszentmihalyi.
Csikszentmihalyi hat weltweit über 200’000 Versuchspersonen aus allen möglichen Berufen und Einkommensschichten untersucht was zu repräsentativen Resultaten geführt hat, was seinen Fokus betrifft. Zur Messung der Qualität subjektiver Erfahrung wurden zuerst Fragebögen, und mit der Zeit ein elektronisches Gerät eingesetzt, das zu zufälligen Zeiten summte, sobald vom Träger aufgezeichnet werden musste, was er gerade dachte und wie er sich fühlte. Die Studie begann mit Menschengruppen, welche bekanntermaßen aufgrund ihrer Tätigkeit oft Glücksgefühle erleben, wie z.B. Chirurgen und Bergsteiger. Die Versuchspersonen umfassten in der Hauptstudie dann ganz zufällige Individuen ohne Eingrenzung bei Berufen, Einkommensschichten und Nationalitäten.
Zusammengefasst könnten die Ergebnisse etwa folgendermaßen beschrieben werden:
Optimale Erfahrung (so nennt er das) ist dann möglich, wenn ein Gefühl da ist, dass die eigenen Fähigkeiten ausreichen, eine gegebene Herausforderung in einem zielgerichteten, regelgebundenen Handlungssystem zu bewältigen, das deutliche Rückmeldungen bietet, wie gut man dabei abschneidet. Die Konzentration ist dabei so intensiv, dass keine Aufmerksamkeit übrig bleibt, um an andere, unwichtige Dinge zu denken oder sich um Probleme zu sorgen. Das Selbstgefühl verschwindet, und das Zeitgefühl wird verzerrt. Eine Aktivität, die solche Erfahrungen herbeiführt, ist so lohnend, dass man gewillt ist, sie um ihrer selbst willen auszuführen, ohne an mögliche Vorteile zu denken, auch wenn sie schwierig oder gefährlich ist. (Zit. Nach Csikszentmihalyi, Flow, deutsche Ausgabe 2005).
Die Frage, wie man solches erreichen kann, wird natürlich diskutiert. Habe ich genügend Kontrolle über die instinktiven Triebe um zu optimaler Erfahrung zu kommen, und wie wird solches erreicht?
Bin ich überhaupt bereit, meine ganze Aufmerksamkeit für ein realistisches Ziel zu verwenden, das meinen Fähigkeiten und Handlungsmöglichkeiten entspricht und dabei die volle Aufmerksamkeit auf die Aufgabe zu richten, was verlangt, zeitweise alles andere zu vergessen? Die Motivation spielt dabei eine wichtige Rolle. Ist es eine Handlung, die mir grundsätzlich wichtig ist, oder interessiert sie mich nur deshalb, weil sie mir genau dieses Gefühl vermittelt?
Bei Burnout spielt dies z.B. eine wesentliche Rolle. Der äußere Zwang alle Aufmerksamkeit auf eine Aufgabe zu richten kann nicht zu anhaltendem Energiegewinn aus dem Tun führen, die Motivation muss tiefer im eigenen Sein begründet sein.
Es wird wesentlich, um die Ängste und Depressionen des heutigen Lebens zu überwinden, von der gesellschaftlichen Umwelt unabhängig zu werden und nicht mehr ausschließlich in deren Begriffen von Belohnung und Strafe zu reagieren. Dieser Schritt wird zur Befreiung aus Burnout angestrebt.
Es stehen zwei Hauptstrategien zur Verfügung: Man kann die äußeren Bedingungen den eigenen Zielen anpassen, oder man kann ändern, wie man äußere Bedingungen erlebt. Dazu gibt es eine indische Weisheit: Erfolg ist, zu erreichen was man wünscht. Glück ist, zu wünschen, was man erreicht.
Das Thema ist erst leicht geritzt, es ließe sich noch sehr viel mehr dazu sagen, Auf Wunsch mache ich das gerne. Um den Rahmen des Artikels nicht zu sprengen, und als Anregung soll das Gesagte im ersten Moment genügen.