Wenn man soeben aus Dänemark aus den Ferien zurück ist und einen Artikel über Glück schreiben soll, was liegt dann näher, als die Umfrage der Universität Michigan zu beachten, die im Rahmen des „World Value Survey“ dazu Menschen in 97 Nationen befragte, die über 90 Prozent der Weltbevölkerung stellen. Auf einer Skala von 1 („sehr unglücklich“) bis 5 („sehr glücklich“) sollten die Teilnehmer ihre aktuelle Lebenszufriedenheit einstufen.
Dies ist natürlich ein sehr vages Kriterium, aber auch in andern Studien rangieren seit Jahren immer die Dänen auf Platz eins. Dies reduziert natürlich die Zufallswahrscheinlichkeit erheblich. Nehmen wir einmal an, es stimmt tatsächlich.
Warum das wohl so ist?
Verschiedene Dinge sind mir bei meinem rund 10-tägigen Besuch aufgefallen. Ich erhebe keinen Anspruch weder auf Vollständigkeit, noch auf objektive oder gar repräsentative Beobachtungen. Aber gewisse Hinweise und Überlegungen sind durchsaus möglich und sollten Denkanstösse geben.
Die Dänen arbeiten 7,4 Stunden am Tag und zwar flexibel. Das ermöglicht z.B. der Familie, bei der ich zu Gast war, ihre Kinder abwechselnd zu betreuen. Das bedeutet, Mutter beginnt um 07.00 zu arbeiten und ist um 16.00 zurück, um die Kinder von der Schule abzuholen. Vater beginnt um 09.30 zu arbeiten und bringt morgens die Kinder zur Schule. Am Abend haben beide genügend Zeit, sich mit den Kindern abzugeben, die Schulaufgaben sind schon gemacht.
Die Familie hat keinerlei Stress, Kinder und Arbeit unter einen Hut zu bringen. 97% aller Däninnen arbeiten! Und Kinder haben sie 1,78 pro Frau (EU 1,46, in der Schweiz 1,5). Diese gehen in Tagesschulen mit großzügigen Freizeitanlagen, wo das Mittagessen zubereitet und eingenommen wird, sowie die Hausaufgaben erledigt werden.
Die dänischen Kinder, die ich kennen gelernt habe, gehen ausnahmslos GERNE zur Schule! Davon habe ich auch schon geträumt! Ich könnte mir vorstellen, dass darin einer von den Gründen liegt, sich als Mensch wohl zu fühlen. Es muss ja nicht gerade Glück sein, aber mit Wohlfühlen fängt es an.
Aufgefallen ist des weiteren, dass die Dänen ein ausgesprochen tiefes Aggressionspotential haben. Für Wikinger eigentlich erstaunlich. Wahrscheinlich haben sie die Aggressionen vor 1’000 Jahren ausgelebt. Die Schweizer eigentlich auch, wenn man sich’s überlegt. Ein einziges Graffito habe ich in Kopenhagen gesehen. Sonst ist alles immer schön sauber aufgeräumt. Keine leeren Petflaschen, saubere Züge, keine Vandalenspuren, ein ganz anderes Bild als hierzulande.
Im Straßenverkehr wird einfach gewartet wenn jemand unentschlossen ist. Im Berufsverkehr am frühen Morgen sei dies nicht immer so ausgeprägt. Das habe ich natürlich nicht beobachten können. Aber Aufregung ist im Verkehr nirgends zu orten, keine Stinkefinger oder hochrote Köpfe hinter dem Steuer.
Studiert man als Tourist einen Stadtplan, so ist gleich jemand zur Stelle um zu helfen. Und die Ratschläge kann man getrost befolgen, sie sind ausnahmslos wertvoll.
Hat einmal ein König beschlossen, dass alle Dänen Christen sein wollen, so wurde das ohne Murren akzeptiert. Genau so verhielten sich die Dänen, als ein späterer König beschloss, sie würden jetzt alle gerne Lutheraner sein. Und so muss es sich auch mit den Beschlüssen zur Höhe der Steuern verhalten. Denn alle diese Tagesschulen kosten den Staat eine Menge Geld und ebenso die Betreuung all der Schüler, die außerordentlich liebevoll und umfassend ist, soweit ich das beobachten konnte. Man macht eben mit, nach dem Motto „ein einig Volk von Brüdern (und Schwestern“, etwas frei nach Schiller).
Das heißt nicht, dass alles geschluckt würde. Die amtierende Regierung steht arg in der Kritik und alle freuen sich auf die kurz bevorstehenden Wahlen. Mit dem Resultat wird man sich arrangieren.
Nun, woran liegt es, dass die Dänen im Glücksvergleich immer obenauf schwingen? Man könnte vermuten, dass ihr ruhiges bis introvertiertes Wesen, gepaart mit Hilfsbereitschaft, es ihnen ermöglicht, überdurchschnittlich liebevoll und umsichtig mit ihren Kindern umzugehen, ohne sie ungesund zu verwöhnen. Sie übergeben ihnen vielleicht genau jenes Maß an Selbstverantwortung, welches zumutbar ist. Sie tun das. Aktiv, nicht nur verbal „Die Kinder sind unsere Zukunft, blah, blah“. Nein, sie handeln auch danach.
Was dabei herauskommt sind selbstbestimmte, ruhige und verantwortungsvolle Menschen, welche zu ihrer Umwelt und zu ihren Mitmenschen Sorge tragen. Das alles machen wir ja auch, wenigstens teilweise. Aber die Dänen machen es eben ein bisschen mehr, und vielleicht sind sie auch deshalb ein bisschen glücklicher.